

Dieses Album wirkt wie ein Blick durchs Teleskop in eine brennende Zukunft: 2006 katapultierten Muse ihren ohnehin schon grenzenlosen Rock endgültig in andere Sphären. Und heute? Da klingt das monumentale „Black Holes and Revelations“ noch immer so, als würde die Band vor dem Weltuntergang warnen und den Soundtrack für den letzten Ritt durch die Galaxie liefern – mit elf Songs, dramatisch gespielt und voller politischer Unruhe, dystopischer Bilder und überlebensgroßer Melodien. Der Opener „Take a Bow“ vibriert sich wie eine Anklage aus dem All ins Ohr: Synthesizer türmen sich auf, Matt Bellamys Stimme schraubt sich in die Höhe, und plötzlich stehst du mitten in einem Szenario aus Macht, Kontrollverlust und kosmischem Größenwahn. Verzerrte Gitarren und Techno-Beats tun ihr Übriges, um dich endgültig ins Chaos zu stürzen. Doch die Welt kann nicht ohne eine mitreißende Liebesgeschichte untergehen. Also schlüpft der Muse-Frontmann umgehend in die Rolle des romantischen Hauptdarstellers, unterstützt vom klatschenden Rhythmus von „Starlight“ und dem sexy Funk-Groove von „Supermassive Black Hole“. Angetrieben von einer überirdisch wirkenden Macht rauschen Muse durch ein Album, das keine kleinen Gesten kennt. Untermalt vom an Depeche Mode erinnernden Sound der 1990er-Jahre flackert „Map of the Problematique“ wie Neonlicht in einer kaputten Zukunft. Das sanft schwebende „Soldier’s Poem“ schenkt uns ein paar Klänge lang Zeit zum Durchatmen, das Chaos rückt kurz in den Hintergrund. Doch direkt im von System of a Down inspirierten „Assassin“ wird wieder kompromisslos nach vorn geprescht. Am Höhepunkt des Albums scheinen alle Grenzen zu verschwinden, während die Band in den abschließenden drei Titeln Saiteninstrumente aus Nahost, Mariachi-Trompeten, Flamenco-Gitarre, klassisches Klavier und Spaghetti-Western-Twang miteinander verwebt. Zum Abschluss galoppieren die vier Reiter in das mitreißende Finale „Knights of Cydonia“ hinein – eine „Bohemian Rhapsody“ für unsere dunkelsten Stunden. Dieses Album ist übertrieben, theatralisch, brillant und lässt dein Herz bis zur allerletzten Sekunde höherschlagen.