

Schon 2003 klang „Absolution“ wie eine Warnung, die dröhnend die Apokalypse vorhersagte. Mit ihrem dritten Album perfektionierten Muse die Kunst des Spektakulären. Denn dieses Werk von himmelhohem Ehrgeiz verschob die Grenzen dessen, was Rockmusik sein kann. Es entstand der Klang einer epischen musikalischen Vision, die bis zur Perfektion umgesetzt wurde. Schwere Rock-Riffs, kraftvolle Rhythmen, epische Balladen, elektronischer Prog, hymnische Hooks und klassische Zwischenspiele – das alles traf in perfekter, dystopischer Harmonie aufeinander. Producer Rich Costey half der Band dabei, ein komplex geschichtetes, dynamisches Rockalbum zu erschaffen, das die Grenze zwischen virtuosem Spiel der alten Schule und digitaler Bearbeitung verschwimmen ließ. Auch heute nehmen einen die Tracks, die sich dramatisch und rastlos zwischen Weltuntergang, Schuld, Sehnsucht und Kontrollverlust bewegen, gefangen. Sie machen die nahende Apokalypse fast spürbar. Passenderweise starten Matt Bellamy, Chris Wolstenholme und Dom Howard nach dem Intro mit „Apocalypse Please“, das die Katastrophe direkt auf Klavierakkorden und Donnerschlag hochfährt. Bellamy singt, als stünde der Himmel kurz davor, aufzubrechen, während Bass und Drums die Erde darunter zum Beben bringen. Danach legt „Time is Running Out“ den Finger auf den Puls: verführerisch, bedrohlich, unausweichlich. Ein Song wie ein Raum, aus dem man nicht mehr herausfindet. Und Muse stürzen sich weiter durch ihr eigenes Endzeitkino. „Stockholm Syndrome“ explodiert zwischen Gitarrenwänden und innerem Ausnahmezustand, „Hysteria“ jagt mit einer der markantesten Basslines der 2000er nach vorn, und „Butterflies & Hurricanes“ verwandelt Zweifel in ein monumentales Aufbäumen. Selbst in ruhigeren Momenten wie „Blackout“ oder „Sing for Absolution“ bleibt diese Spannung greifbar: Schönheit und Untergang liegen hier immer nur einen Takt auseinander. „Absolution“ ist theatralisch, düster, überladen im besten Sinne und bis heute elektrisierend. Das Trio spielt, als müsste es die Welt retten – oder wenigstens ihren Zusammenbruch in maximaler Lautstärke begleiten.