

Vertraut im Klang, doch mit schärferem Blick: Diese Mischung aus Rückkehr und Aufbruch entfaltet eine ähnliche Wucht wie der Zusammenprall von Schwermut und Hoffnung. Auf ihrem fünften Studioalbum jagt die Band mit dem K ihre innersten Ängste durch den Verstärker, überzieht sie mit einer dunkleren Schicht und bringt all das zum Beben, was einst zwischen Ironie und Tanzfläche pendelte. Jetzt trägt die Musik mehr Gewicht, mehr Klarheit, aber nach wie vor jene unbändige Lust, sich gegen die Schwerkraft zu stemmen. Die Jungs aus Chemnitz haben über die Jahre an ihrem unverwechselbaren Sound gefeilt und öffnen ihn auf „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ musikalisch noch weiter. Rock-Nostalgie, Pop-Dringlichkeit und ein Hauch 2010er‑Kiezgefühl rücken nun enger zusammen. Der Gitarrenraum ist größer, die Synth-Linien dunkler, die Refrains pointierter – und über allem schwebt dieser nüchterne, fast trotzig-klare Blick auf Endlichkeit, Verlust und Zusammenhalt. Vor allem gelingt es Kraftklub, eine neue Sprache für den Tod zu finden: Thematisch rasen sie mit schnellen Gitarren und eingängigen Drums gegen die biologische Uhr. In Songs wie „Unsterblich sein (*)“ geht es nicht um religiöse Ewigkeit, sondern um den Wunsch, intime Augenblicke gegen die Vergänglichkeit aufzuwiegen. Die Stimmen von Felix Kummer und Domiziana verweben sich, getragen von pulsierender Hyperpop-Energie, zu einem Dialog über Liebe und den Schmerz des Loslassens. „Marlboro Mann“ klingt noch roher und schwermütiger – wenige Drums, viel Schatten. „All die schönen Worte“ besingt dann mit Faber in rhythmischerem Gewand das Ungesagte, das man eigentlich noch aussprechen wollte, bevor „Wenn ich tot bin, fang ich wieder an“ die Schwelle ins Jenseits vollends überschreitet. Fernab von Melancholie wird hier zu funkigen Beats ein ausgelassenes Wiedersehen mit allen Lieben gefeiert. Doch auch Herzensangelegenheiten kommen nicht zu kurz: Die Unfähigkeit, sich trotz „hundert guter Gründe“ gegen große Gefühle zu wehren, findet in „Fallen in Liebe“ mit Nina Chuba oder in „Kippenautomat“ bewegend und überraschend zart ihren Ausdruck. Zeilen wie „Ich hab noch immer Bock auf Streit, ich singe schief in jedem Chor“ oder „Halt’s Maul und spiel“ brechen jedoch weiterhin mit Humor und der unverkennbaren eigenen Handschrift hervor. „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ begnügt sich nicht mit Nostalgie: Das Album ist laut, direkt, verletzlich und vor allem tanzbar genug, um dem Leben doch noch ein Schnippchen zu schlagen.