How Did I Get Here?

How Did I Get Here?

Die bewegten Jahre zwischen Louis Tomlinsons Album „Faith In the Future“ von 2022 und seinem aktuellen dritten Soloalbum rechtfertigen die Frage, die er im Titel selbst stellt, mehr als genug. „How Did I Get Here?“ ist eine Zeile aus dem verträumten Softrock-Abschlusssong „Lucid“, der Tomlinsons leicht entrückte, fragile Beziehung zur Realität nachzeichnet. Das Album besteht aus zwei klar voneinander abgegrenzten Hälften: Zunächst serviert es zuckersüßen, sommerlich verliebten Pop-Rock, bevor es mit den zerklüfteten Akkorden und Verzerrungen von „Broken Bones“ die Tür zu einer introvertierteren Erforschung seiner dunkleren mentalen Seiten aufstößt. Gemeinsam geschrieben mit einer Handvoll bewährter Weggefährt:innen wie Jamie Scott (Tom Grennan), David Sneddon (Rag’n’Bone Man) und Hurts-Frontmann Theo Hutchcraft, startet das Album mit einer belebenden Portion frischer Verliebtheit. Sonnengetränkte Tracks wie „Lemonade“ und „Lazy“ erweitern Tomlinsons Sound um funky neue Facetten, während „Last Night“ mit seiner flirrenden Drum ’n’ Bass-Produktion eine fast apokalyptische Euphorie aufbaut. Später unterstreichen dramatische Synth-Einschübe die „proper paranoia“ („echte Paranoia“) von „Imposter“. Im Kontrast dazu steht „Dark To Light“ mit seinem langsamen, reduzierten Crescendo als berührende Auseinandersetzung mit den unbeantworteten Fragen der Trauer. Und dann ist da noch der Song „Jump The Gun“, der etwas von dem Britpop-inspirierten Selbstbewusstsein bewahrt, das Tomlinsons Identität seit One Direction prägt. Dennoch spiegelt die bombastische Popenergie, die große Teile von „How Did I Get Here?“ durchzieht, einen klaren – und ausgesprochen begrüßenswerten – Wandel in seinem künstlerischen Ansatz wider.

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