Room On Fire

Room On Fire

Wie knüpft man an ein Debüt wie „Is This It“ an? Im Falle von The Strokes: indem man die Ruhe bewahrt. Das zwei Jahre später erschienene Album „Room On Fire“ stellt das Erfolgsrezept des Meilensteins von 2001 nicht infrage. Stattdessen arbeitete die fünfköpfige Band aus New York erneut mit Produzent Gordon Raphael zusammen – und das Ergebnis klingt zunächst nach „mehr vom Gleichen“, allerdings im bestmöglichen Sinne. Man nehme die Single „Reptilia“, deren geradlinige Basslinie direkt in den vertrauten, straffen Gitarrendialog zwischen Nick Valensi und Albert Hammond Jr. mündet. Der Song hätte problemlos auch auf das Vorgängeralbum gepasst, wäre da nicht Julian Casablancas’ Gesang, der nach Monaten unerbittlicher Tourneen fast heiser daherkommt. Auch „What Ever Happened?“ scheint mit den eröffnenden Zeilen des Albums die Erschöpfung durch den plötzlichen Ruhm zu reflektieren: „I wanna be forgotten/And I don’t wanna be reminded“ („Ich möchte vergessen werden / Und ich möchte nicht daran erinnert werden“). „Room On Fire“ entstand nach abgebrochenen Sessions mit Producer Nigel Godrich, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Radiohead bekannt wurde. Gordon Raphael übernahm erneut die Regler und entschied sich abermals für klassische Wärme statt moderner Glätte. Obwohl viele Songs die abrupten Enden und den unablässigen Vorwärtsdrang des frühen Materials beibehalten, finden sich über die gesamte Spielzeit hinweg verspielte neue Kniffe. Valensi lässt in „The End Has No End“ und besonders in „12:51“ helle, synthieartige Gitarrentöne aufblitzen, während „The Way It Is“ diesen Ansatz auf Fabrizio Morettis Schlagzeug überträgt und ihm eine mechanische Steifheit verleiht. Casablancas setzt in „Automatic Stop“ auf einen weicheren, romantischeren Gesang über reggaeartige Licks, bevor „Under Control“ mit seiner Balladenhaftigkeit an einen klassischen Abschlussball-Slowdance erinnert. Und „Meet Me in the Bathroom“ ist weit mehr als nur eine drogenumnebelte Zeitkapsel der Exzesse der frühen 2000er-Jahre – der Song inspirierte später sowohl ein Buch als auch einen gleichnamigen Dokumentarfilm. Trotz der anfänglichen Zurückhaltung, seine neu gewonnene Berühmtheit zu akzeptieren, beendet Casablancas das Album mit einer optimistischeren Haltung. In der letzten Zeile des beschwingten Schlusssongs „I Can’t Win“ verspricht er halbherzig: „I’ll be right back“ („Ich bin gleich wieder da“). Tatsächlich kehrte die Band im Jahr 2006 mit „First Impressions Of Earth“ zurück und setzte damit ein Muster fort, das ihre gesamte Karriere prägen sollte: Die Musiker dekonstruieren ihren Sound behutsam, ohne jemals aufzuhören, unverkennbar nach The Strokes zu klingen.