Inferno

Inferno

Das erste Full-Length-Album des schottischen Electronic-Duos seit fast 13 Jahren überzeugt mit akribischen und fesselnden Sounds. Seit über drei Jahrzehnten hüllen Mike Sandison und Marcus Eoin ihr Projekt Boards of Canada in einen dichten Nebel der Geheimniskrämerei. Das schottische Duo bestätigte nicht einmal öffentlich, dass sie Brüder sind – bis sie im Jahr 2005 anlässlich ihres dritten Albums ein seltenes Interview gaben. „Inferno“ ist jetzt das erste Full-Length-Album von Boards of Canada seit fast 13 Jahren. Was sie in dieser Zeit gemacht haben, weiß man nicht genau. Auf jeden Fall liegt uns ein weiteres sorgfältig konstruiertes und hypnotisches Werk vor, das intensive Aufmerksamkeit verdient. Stücke wie „Somewhere Right Now in the Future“, „Memory Death“ und „The Process“ wirken mit ihrem geisterhaften Charakter fast so, als würden sie im Moment des Hörens zu Staub zerfallen. „Father and Son“ und „The Word Becomes Flesh“ tragen hingegen eine verstörende, fast heitere Grundstimmung in sich, die wie ein zynischer Scherz wirkt. Wie der Titel andeutet, beschäftigt sich „Inferno“ mit religiösen Themen und deren dunklerer Seite: das Sündige im Menschen, ein rachsüchtiger Gott oder Sphären endlosen Leidens. Das Duo verarbeitet und verfremdet gefundene Sprachsamples, ähnlich wie Brian Eno und David Byrne einst auf „My Life in the Bush of Ghosts“, hier jedoch mit einem düsteren Flair. Gleichzeitig deuten Stücke wie „Deep Time“ und „You Retreat in Time and Space“ auch Hoffnung auf Wiedergeburt und Erlösung an – auf Sinn in dieser Welt und darüber hinaus.