Ca$ino

Ca$ino

Die Nähe zum Erfolg anderer kann im Hip‑Hop sowohl Segen als auch Fluch sein. Und während sich unzählige aufstrebende Rapper:innen mit berühmten Verwandten häufig in deren Schatten wiederfinden, schaffte es Baby Keem ins Rampenlicht und in die Charts – noch bevor seine Verbindung zu Cousin Kendrick Lamar allgemein bekannt wurde. Sein Solo-Durchbruch, der Track „ORANGE SODA“ von 2019, und die folgenden Singles „durag activity“ mit Travis Scott und „family ties“ mit K‑Dot wurden zu großen Hits. Sein Debütalbum „The Melodic Blue“ aus dem Jahr 2021 war sowohl ein kommerzieller Erfolg als auch ein herausragendes Hörerlebnis, was die Erwartungen an den Nachfolger „Ca$ino“ (2026) nur noch verstärkte. Wer einen Misserfolg befürchtet, sollte sich keine Sorgen machen. Vom einleitenden Track „No Security“ bis zum stürmischen Abschluss „No Blame“ setzt das zweite Album des in Las Vegas lebenden Künstlers dessen Erfolgssträhne fort und geht mit basslastigen Beats und schrägen melodischen Klängen weiterhin einen eigenen Weg. Mit seiner liebenswert quietschenden Stimme rappt Baby Keem im kraftvollen Titeltrack über Verluste und Tiefpunkte, während er in „I am not a Lyricist“ Glücksspielmetaphern und tiefgründige Gedanken heraufbeschwört. Trotz der selbstironischen Implikationen des letztgenannten Titels zeigt er im aggressiven und facettenreichen „Circus Circus Free$tyle“ erneut, was er draufhat. Mit einer fast schon verspielten Herangehensweise präsentiert Baby Keem zusammen mit Kendrick Lamar und der Sängerin Momo Boyd auf „Good Flirts“ eine lebendige und freche Art der Liebe, die den R&B-Charme aller drei Künstler:innen perfekt zur Geltung bringt. Doch es ist das generationsübergreifende „$ex Appeal“ mit Too $hort, das „Ca$ino“ in die Champions League katapultiert. Denn der erfahrene Westküsten-Veteran verleiht diesem Party-Track mit seinen wilden Geschichten das gewisse Etwas.