Days Of Ash - EP

Days Of Ash - EP

U2

Seit den frühen 2010er-Jahren befinden sich U2 in einer Phase der Selbstreflexion. Daraus entstanden autobiografische Alben wie „Songs of Innocence“ und „Songs of Experience“, Bonos Memoiren „Surrender: 40 Songs, One Story“ sowie das davon inspirierte, karriereumspannende Akustikprojekt „Songs of Surrender“. Jetzt richten die irischen Rocklegenden mit diesem überraschenden Release den Blick aber wieder nach außen und erklären erneut: „I can’t believe the news today“ („Ich kann kaum fassen, was heute in den Nachrichten läuft“). „Days of Ash“ ist dabei eine Besonderheit im U2-Kanon: Die Studio-EP mit sechs Songs ist als kompaktes Mini-Album konzipiert und wird ohne das sonst gewohnte große Aufsehen veröffentlicht. Aber so überschaubar das Format auch sein mag, die Ambitionen sind gewaltig. Denn Bono und Co. nehmen den Zustand der Welt ins Visier – von Minneapolis über die Ukraine bis nach Gaza. „American Obituary“ ist U2s nachdenkliche Reaktion auf den Tod von Renée Good, die von einem Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen wurde. Doch der funkige Groove und die an Gospel erinnernden Lyrics „I love you more than hate loves war!“ („Ich liebe dich mehr, als Hass den Krieg liebt!“) sowie „America will rise!“ („Amerika wird sich erheben!“) verwandeln die Trauer in einen aufrüttelnden, hoffnungsvollen Song. Der im Bob Dylan-Stil gehaltene Höhepunkt „The Tears of Things“ rahmt den globalen Kampf gegen Autoritarismus in David-gegen-Goliath-Metaphern ein und geht in eine mitreißende Performance von Bono über. „Yours Eternally“ bringt U2, Ed Sheeran und den ukrainischen Sänger und Aktivisten Taras Topolia in einer Alt-Pop-Befreiungshymne zusammen, die einen komplett umhaut. Aber „Days of Ash“ ist nicht nur ungetrübter Optimismus, der sich dem Grauen entgegenstellt: Auf der EP wird auch „Wildpeace“ vorgetragen – ein Gedicht des israelischen Dichters und Ex-Soldaten Yehuda Amichai, in dem dieser sich mit dem generationsübergreifenden Trauma endloser Kriege auseinandersetzt. Danach folgt der spannungsgeladene, akustisch getragene Song „One Life at a Time“, der verdeutlicht, dass die Sache mit dem Frieden leichter gesagt ist als getan.