Megadeth

Megadeth

Es ist das Ende einer Ära. Als Megadeth 2025 ihr selbstbetiteltes Album ankündigten, erklärte Frontmann Dave Mustaine, es würde ihr letztes sein. Und obwohl der Bandleader erst im Laufe der Arbeit an „Megadeth“ beschloss, die Band aufzulösen, wirkt das Album insgesamt wie ein stimmiger Abschied. Fast die Hälfte der zehn Songs – elf inklusive des bemerkenswerten Bonustracks – ist von Themen wie Rückblick und Abschied durchzogen. Mustaine mag fast 65 sein, doch die rohe Energie, mit der Megadeths Debütalbum von 1985 („Killing Is My Business … and Business Is Good!“) die Headbanger-Szene aufmischte, steckt noch immer in ihm. Der damals 23-Jährige war zu diesem Zeitpunkt wütend über seinen Rauswurf aus Metallica und verwandelte diesen Frust in ein Thrash-Meisterwerk. Auf „Tipping Point“, dem Eröffnungstrack von Megadeth, ist diese Wut ungebrochen zu hören: „Crossing my heart, how I hope you will die“ („Ich schwöre, ich hoffe, du stirbst“) – diesmal gerichtet gegen eine namenlose, aber sehr reale Person. „Let There Be Shred“ ist Thrash von Weltklasse, der wie eine Retrospektive auf Mustaines frühe Jahre in der L.A.-Metal-Szene und seinen Durchbruch mit Metallica wirkt. „The Last Note“ handelte ursprünglich von Menschen, die Suizid begehen, indem sie von der Golden Gate Bridge springen. Aber als Megadeth-Gitarrist Teemu Mäntysaari vor dem Thema zurückschreckte, schlug Mustaine einen anderen Weg ein. Das Ergebnis ist überraschend verletzlich: „The roar I lived for, it starts to die / And now it’s time for me to say the long goodbye“ („Der Jubel, für den ich lebte, verstummt / Und nun ist es Zeit für mich, Abschied zu nehmen“). „I Don’t Care“ wirkt als letzter Track mit seinem Punk-Drive und dem Skateboard-Video wie ein Mittelfinger an die Musikindustrie, in der Mustaine so lange gewirkt hat. Tatsächlich zielt er auf dieselbe Person ab, die er auch in „Tipping Point“ anprangert. Und schließlich ist da noch der Bonustrack, nämlich Mustaines Version von „Ride the Lightning“, dem Metallica-Klassiker, den er als Mitglied der Band mitschrieb. So etwas hat es schon mal gegeben: Der Megadeth-Song „Mechanix“ – auf „Killing Is My Business“ erschienen – ist seine Interpretation von Metallicas „The Four Horsemen“, das er ebenfalls mitverfasste. Mustaine selbst sagt, mit „Ride the Lightning“ wolle er Respekt zollen und „den Kreis schließen“. Wenn dies wirklich Megadeths letztes Album ist, hat er genau das erreicht.