

Kein großes Drama, kein Pathos mit Ansage – sondern Musik, die sich Zeit nimmt, um Wirkung zu entfalten. Musik, die mit roher Ehrlichkeit tief in die Seele von Tim Bendzko blicken lässt. „Alles, nur nicht zurück“ klingt wie ein bewusster Schritt aus der Endlosschleife: nach Luft holen, nach Loslassen, nach Neusortieren ohne Sicherheitsnetz. Statt eingängiger Sofortformeln setzt der Sänger mit der souligen Stimme bei seinem sechsten Album auf Tiefe, Dynamik und einen Spannungsbogen, der sich erst beim Durchhören aller zwölf Songs vollständig öffnet. Bendzko nimmt mit auf eine emotionale Deutschpop-Reise, die oft wehtut, aber stets von Hoffnung getragen ist. Der atmosphärische Titeltrack formuliert den inneren Impuls des Albums: vorwärtsgehen, auch ohne Endkoordinaten. „Zwei Gramm“ macht spürbar, wie unsichtbare Lasten erdrücken können – minimalistisch, eindringlich und nah. Die dynamischen, tanzbaren Uptempo-Momente in Songs wie „Kopf hoch“, „Alles in Bewegung“ oder „Angekommen“ speisen sich aus vorsichtigem Optimismus nach einer Krise. Electro-Dance-Tunes treiben die Aufbruchsstimmung weiter voran, etwa im euphorischen „Wach auf“, das mit Chorpassagen und Geigen beginnt, bevor es sich in pulsierenden Beats entlädt. Besonders berührend sind jedoch die leisen Momente: Das ergreifende „Unter Steinen“ schichtet Melancholie aus Klavier und Synths, während „Immer“ – getragen von Geigen – Dankbarkeit und Abschied balanciert, ohne in Sentimentalität zu kippen. Das abschließende „Wir“ entwickelt sich trotz zurückgenommenem Puls zu einem echten Powerstück. Mit druckvollen Worten feiert Bendzko das Weitergehen und den Blick nach vorn – selbst dann, wenn das Ziel noch im Ungefähren liegt.