

Schöner betitelt war ein Jazzalbum schon lange nicht mehr, denn „Zuversicht“ ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine Haltung. „Der Titel ‚Zuversicht‘ ist zudem inspiriert von einem Zitat von Samuel Ullman“, sagt Nils Wülker gegenüber Apple Music. „‚Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel.‘ Das hat mich daran erinnert, dass man für seine Zuversicht aktiv etwas tun kann – und muss. Gerade in einer Phase, in der mir die aktuelle Weltlage sehr aufs Gemüt geschlagen ist, habe ich das als hilfreich und inspirierend empfunden.“ Das 15. Album des vielfach ausgezeichneten Trompetenspielers und Komponisten strahlt genau diese Einstellung mit jeder Note aus. Die elf Eigenkompositionen, eingespielt im Quartett, denken den tradierten Wülker-Sound weiter und sind von hörbarer Abenteuerlust geprägt. Wülker beschreibt den Prozess selbst als Loslösung: „Mit dem Album wollte ich bewusst meine Komfortzone verlassen, bei der Produktion Freiräume schaffen und auf Spontaneität setzen – im Studio ganz dem Moment vertrauen. Meine Vorgängeralben waren im Vorfeld deutlich stärker durchstrukturiert: Orchesterarrangements für ‚Continuum‘, Synthie-Tüfteleien und Beat Programming für ‚Go‘ oder unsere Duo-Arrangements für ‚Closer‘.“ Für dieses Experiment holte Wülker mit Aaron Parks am Klavier, Linda May Han Oh am Bass und Gregory Hutchinson am Schlagzeug ein internationales Quartett ins Studio. „Das sind fantastische Musiker:innen, von denen ich das Gefühl hatte, dass sie ein tiefes Verständnis für meine Musik mitbringen und sich gleichzeitig mit ihrer ganzen künstlerischen Persönlichkeit einbringen würden“, erklärt er. Tatsächlich harmonierte die Besetzung aus dem Stand heraus, obwohl sie in dieser Zusammensetzung noch nie gemeinsam musiziert hatte: Nach nur dreieinhalb Tagen, so Wülker, sei das Album, das in den geschichtsträchtigen Berliner Hansa Studios eingespielt wurde, im Kasten gewesen. Im Folgenden führt Wülker selbst durch einige seiner Lieblingssongs. „All Hands on Deck“ „All Hands on Deck“ war eines der ersten Stücke, die ich für „Zuversicht“ komponiert habe, und mir war sofort klar, dass dies der Opener des Albums werden würde. Der Song ist atmosphärisch, besitzt aber zugleich eine vorwärtstreibende Kraft mit starkem Groove. Auch bei der Aufnahme haben alle in der Band direkt voll losgelegt. Für mich steht der Track damit sinnbildlich für den Albumtitel: Zuversicht beinhaltet Aktivität. Wenn wir Dinge zum Guten wandeln wollen, können wir uns nicht zurücklehnen, sondern sind alle gefordert – wir brauchen „All Hands on Deck“. „Alpenglow“ „Alpenglow“ beschreibt im Englischen das erste Licht des Tages, das nach der Dämmerung die Bergspitzen berührt, während die Täler noch im Dunkeln liegen. Ich gehe sehr gerne bergsteigen, und dieser Moment hoch oben in den Bergen ist für mich immer magisch, von tiefer Ruhe erfüllt. Ich bin da ganz bei mir. Während ich in den Bergen unterwegs bin, habe ich keine Musik im Kopf, komme aber oft inspiriert zurück. Nach einer eindrucksvollen Klettertour im letzten Frühjahr habe ich „Alpenglow“ geschrieben. Für mich hat das Stück gleichzeitig etwas Schwebendes und strahlt eine große Ruhe aus. „Time Will Tell“ „Time Will Tell“ ist wahrscheinlich die fragilste Ballade, die ich je veröffentlicht habe. Bevor es ins Studio ging, hatte ich nur den Klavierpart komponiert und ein paar sparsame Anweisungen für Bass und Schlagzeug notiert – aber ganz bewusst keine Melodie für mich selbst festgelegt. Ich wollte mich ganz auf die Atmosphäre des Moments einlassen, mich spontan inspirieren lassen und meinen Part vollständig improvisieren. Ohne Netz und doppelten Boden. Kein anderes Stück hat mir so viel Zuversicht abverlangt. Aber umso glücklicher bin ich mit dem Ergebnis.