

Als LINKIN PARK mit der Arbeit an dem Album begannen, das 2003 als „Meteora“ erscheinen sollte, waren sie mit ihrem 2000er Debüt „Hybrid Theory“ auf Tour, das wie ein Lauffeuer die Welt erobert hatte und damit die Band selbst überrumpelte. Ihre Mischung aus hämmernden Gitarren-Riffs, lässigen Hip‑Hop-Grooves und komplexen emotionalen Texten, vorgetragen von den beiden Sängern Chester Bennington sowie Mike Shinoda, machte sie zu einer der erfolgreichsten neuen Bands des 21. Jahrhunderts. Mit „Meteora“ stellten LINKIN PARK der Welt dann ihre Vielseitigkeit unter Beweis und zeigten, dass sie mehr sind als eine gewöhnliche Rap‑Rock-Band. „Einer der Vorteile eines zweiten Albums ist, dass man sagen kann: ‚Okay, ihr wisst jetzt ungefähr, wer wir sind. Also lasst uns das Bild vervollständigen und euch noch ganz andere Seiten von uns zeigen‘“, sagte Shinoda 2023 im Gespräch mit Zane Lowe von Apple Music. Einzeln wie auch als Band reizten LINKIN PARK auf „Meteora“ ihre künstlerischen Grenzen aus, was sich in den Details jedes Songs zeigt. Da sind etwa die miteinander kämpfenden Stimmen in „Somewhere I Belong“, die an einen inneren Monolog erinnern, der in Echtzeit kommentiert wird. „Faint“ wird als drängendes Flehen um Versöhnung von hochdramatischen Streichern und einem unerbittlichen Beat angetrieben. Das brodelnde „Nobody’s Listening“ baut auf ein schlangenhaft gewundenes Bambusflöten‑Sample. Und das glitchige Instrumental „Session“ lässt vermuten, dass in der CD-Sammlung von LINKIN PARK auch Alben von Elektrogrößen wie Aphex Twin und Squarepusher standen. Dann ist da noch der Track „Breaking the Habit“, der laut Gitarrist Brad Delson nie auf das erste Album gepasst hätte. Der Song ist ein atemloser Hilferuf an die Welt, doch endlich Sinn zu ergeben, und verbindet die verschachtelten Gitarren des Emo mit Joe Hahns immer wieder aufblitzenden Turntable-Skills und eisig daherkommenden Streichern. Zugleich rückt er Benningtons emotional zerrissenes Klagen in den Mittelpunkt, während Shinoda, der den Track geschrieben hat, eine Pause vom Rappen einlegt. „Wir wollten einen Song machen, der düster und emotional ist. Es ist eine Single. Ohne harte Gitarren. Ohne Geschrei. Einfach ein kraftvoller LINKIN‑PARK-Song“, erinnerte sich Shinoda. Zusätzlich zum Originalalbum enthält die Version zum 20. Jubiläum von „Meteora“ Live‑Sets aus Texas und Nottingham, eine Sammlung von Raritäten aus den Jahren 2003 und 2004 sowie Demos. Darunter befindet sich auch „Lost“, ein intensives Beispiel für Benningtons stimmliches Können, das während der „Meteora“-Sessions aufgenommen und erst 2023 veröffentlicht wurde. „Breaking the Habit“ war schließlich die letzte Single von „Meteora“ und zugleich ein Vorgeschmack darauf, wie LINKIN PARK in ihrer Karriere immer wieder Erwartungen über den Haufen werfen würden – sei es durch die Zusammenarbeit mit JAŸ‑Z für den unglaublich erfolgreichen Remix des „Meteora“‑Tracks „Numb“ oder indem sie auf „Minutes to Midnight“ von 2007 gemeinsam mit Rick Rubin neue musikalische Wege einschlugen. „Bei ‚Hybrid Theory‘ hieß es: Wir gegen den Rest der Welt“, sagte Delson. „Das Befreiende und zugleich Beängstigende an ‚Meteora‘ war, dass uns dort niemand reingeredet hat. So nach dem Motto: ‚Okay, ihr habt es geschafft. Was wollt ihr jetzt wirklich machen?‘ Und dieses Album stand genau dafür: Das ist unser Ding, und wir ziehen es durch.“