

Emo entwickelte sich Mitte der 80er-Jahre als eigenständiges Subgenre innerhalb der Hardcore-Szene. Dischord Records in Washington, D.C. wurde schnell zum zentralen Knotenpunkt, wo Bands wie Rites Of Spring, Dag Nasty und Jawbox begannen, Hardcore mit melodischen Elementen und tief persönlichen, emotionalen Lyrics zu kombinieren – eine unerwartete Wendung für ein Genre, das sonst eher von roher Energie und Rebellion geprägt war. In den 90ern brachen Bands wie Cap’n Jazz, Texas Is The Reason und At the Drive-In mit traditionellen Punk-Konventionen und setzten für ihren Emo-Stil stattdessen auf komplexe, progressive Sounds. Diese Weiterentwicklung bereitete den Boden für die 2000er-Jahre, als der Fokus zunehmend auf Melodien lag und etwa Jimmy Eat World oder Dashboard Confessional schließlich auch die Tür zum Mainstream ganz weit aufstießen. Später legten Bands wie My Chemical Romance, Panic! At the Disco und Paramore in Sachen Dramatik und Pathos noch eine Schippe drauf und machten Emo dank diverser Pop-Anleihen gleichermaßen endgültig massentauglich. Dass sich dieser ursprünglich vom Hardcore geprägte Stil so fest im Mainstream etablieren würde, war in den 80ern wohl kaum abzusehen.