Schon vor dem Erscheinen seines ersten regulären Albums war klar, dass man CRO, den Jungen mit der Pandamaske, im Blick behalten sollte. 2011 hatte er für sein drittes Mixtape beim Stuttgarter Hip‑Hop-Label Chimperator unterschrieben. Als er im Jahr darauf seine Debütsingle „Easy“ veröffentlichte, landete er einen Riesenhit. Bis heute ist der Song ein Ohrwurm erster Güte. Elegant schmiegt sich der Beat an das Motiv aus Bobby Hebbs „Sunny“. Und mit einer ordentlichen Portion Witz schließt CRO, der eigentlich Carlo Waibel heißt und aus der Nähe von Stuttgart stammt, die Reime mit Wörtern ab, die oft an den Songtitel erinnern.
Mit einem einzigen Track zeigte CRO eine Alternative auf: Deutschrap muss nicht aus der Dunkelheit berichten und auch nicht zwangsläufig von der Straße. Er kann durchtränkt von Sonne sein und mit positivem Humor, einer guten Portion Romantik sowie viel Flow ums Eck kommen. Kurzum: Er kann auch Pop im besten Sinne sein – oder eben: „Raop“.
Der Titel des 2012 erschienenen Albumdebüts bedeutet indes keinesfalls Oberflächlichkeit. CRO stellt schon im „Intro“ klar, dass er zu den versiertesten Wortakrobaten dieses Landes gehört: In Doubletime droppt er hier seine Zeilen. Gleichzeitig verdeutlicht er, dass ihm in Sachen Selbstbewusstsein niemand das Wasser reicht: „Denn ich geb’ den Ton an wie ein Keyboardlehrer / Wenn es sein muss, geh’ ich über Leichen wie ein Friedhofswärter.“
CRO, das zeigt dieses Album, versteht es, Lockerheit formvollendet in Musik zu übersetzen. Er verbindet Hip‑Hop und Pop so natürlich, als hätte es nie eine Trennung gegeben. Beats, Raps, Melodien und Samples vereinen sich in einer Gelassenheit, die an unbeschwerte Sommersonntage erinnert. Da ist zum Beispiel „Jeder Tag“. Zu einem in Richtung Funk schielenden Beat feiert CRO hier den Hedonismus und gibt gleichzeitig einen guten Rat: „Jeder Tag könnte dein letzter sein / Drum wenn du irgendjemand magst, sag’ es am besten gleich.“ Auch „Du“ erzählt von der Liebe und verbeugt sich ganz nebenbei vor dem Discopop der 1980er-Jahre. Indiegitarren sind ebenfalls ein Thema: Für „Einmal um die Welt“ liehen CRO und sein Team sich die Hook von den Kilians, einer deutschen Indieband aus den frühen Nullerjahren, während das optimistische „Wir waren hier“ Iggy Pops „The Passenger“ sampelt.
„Raop“ besticht durch konsequente Offenheit. Die Stimme wirkt ebenso jung wie unbeschwert. Die Perspektive ist klar, der Blick nach vorne gerichtet, ohne dass sich CRO dabei allzu ernst nimmt. Wer sich in diesen Sound fallen lässt, landet in einem geschlossenen Kosmos aus 13 Songs, die wie beiläufig ihren Platz im Alltag finden und bis heute nachhallen. Und das nicht nur in seiner eigenen Musik: Der Hybrid aus Pop und Rap, über den damals Szene-Kleingeister noch die Nase rümpften, ist im Hip‑Hop dieser Tage längst ein etabliertes Stilmittel.