

Die vier Jahre nach Shygirls Debütalbum „Nymph“ von 2022 waren ein einziger Rausch: In dieser Zeit veröffentlichte die Club-Queen aus South London zwei EPs („Club Shy“ und „Club Shy Room 2“), eröffnete für Charli xcx und Beyoncé und arbeitete mit Größen wie PinkPantheress und Björk zusammen. Währenddessen konzipierte sie geduldig ihr zweites Album, das sie zugleich als Coming‑of‑Age-Album und musikalische Neuvorstellung beschreibt. Auf „SWALLOW!“ verabschiedet sich die Sängerin und Songwriterin von den schamlosen Hymnen ihres Debüts und wendet sich den Klängen der späteren 90er-Jahre zu – man denke an Madonna in ihrer „Ray of Light“-Ära, an Björk zur Zeit von „Homogenic“ sowie an The Chemical Brothers, The Prodigy und Massive Attack. In enger Zusammenarbeit mit Produzent Karma Kid und Komponist Casey MQ fügte Shygirl ihrer elektronischen Klangpalette Gitarren und Klavier hinzu, um berauschende Gefühle ganz neuer Art einzufangen – nämlich den parallelen Prozess, wahre Liebe und Selbstakzeptanz zu finden. Der Trip‑Hop-Slowburner „Lucky[Hymn]“ ist gleichzeitig sanfter und direkter als man es von Shygirl bisher kannte, während „Mantra“ mit seinem Groove irgendwo zwischen Clams Casino und UK‑Hardcore eine Freiheit zelebriert, die totale Verletzlichkeit voraussetzt: „And I am, and I can / And I do, and I’m real / And I touch, and I cry / And I love what I feel“ („Und ich bin, und ich kann / Und ich tu’s, und ich bin real / Und ich berühre, und ich weine / Und ich liebe, was ich fühle“).