

Sieben Jahre sind vergangen seit dem Debütalbum des Superstars aus der Bronx: 2018 brach „Invasion of Privacy“ Rekorde und stieg direkt auf Platz eins der Billboard 200 ein. Es bescherte Cardi B die erfolgreichste Streaming-Woche einer Rapperin und brachte ihr als erster Solo-Rapperin einen Grammy für das beste Rap-Album ein. Wer sich fragt, was sie seither getrieben hat: Sie klärt das gerne auf. Wenn sie sich nicht gerade bei der Fashion Week präsentierte, saß sie meist im Studio – und kämpfte mit einer massiven Schreibblockade. „Ich habe eine richtige Krise durchgemacht, in der mich nichts zufriedenstellte – gar nichts“, erzählt Belcalis Almánzar, wie sie bürgerlich heißt, gegenüber Zane Lowe von Apple Music. Obwohl sie mehr Zeit im Studio verbrachte als zu Hause, entstanden unzählige Songs, die sich einfach nicht richtig anfühlten – während Fans sehnsüchtig auf das Nachfolgealbum warteten. Anstatt jedoch die Krise wegzuschieben, verwandelte Cardi sie in Antrieb. Herausgekommen ist „AM I THE DRAMA?“, das lang erwartete zweite Album. Der Titel geht zurück auf eine Erkenntnis, die sie hatte, als sie eigentlich nur versuchte, sich aus den Schlagzeilen rauszuhalten. „Aus irgendeinem Grund werde ich angegriffen, selbst wenn ich gar nichts sage. Und ich denk mir: ‚Verdammt, verfolgt mich das Drama, oder bin ich das Drama?‘“, sagt sie. Musikalisch kanalisiert die unerschrockene MC diese Energie in aggressive Trap-Bretter, die daran erinnern, wer die „erste Rap-Bitch auf dem Cover der Vogue“ war. In „Dead“ knurrt sie: „I tried to come in peace/They tore me into pieces/Now I gotta RIP it.“ („Ich kam in Frieden / Sie rissen mich in Stücke / Jetzt zerreiß ich alles.“) Der Song beginnt mit einem Bericht über eine kürzliche Verbrechensserie, die sich gegen „Blogger:innen, Journalist:innen und – am verstörendsten – mehrere Rapperinnen“ richtete, bevor Summer Walker davon singt, ihren Feind:innen die Perücken vom Kopf zu zerren. „Ich bin ein sehr farbenfroher Mensch“, sagt Cardi zu Lowe. „Aber im letzten Jahr hatte ich das Gefühl, dass etwas in mir stirbt. Meine Bescheidenheit, mein Versuch, unproblematisch zu sein, mein Versuch, Drama, Beleidigungen, Gezicke zu vermeiden – das alles ist am Verschwinden. Stattdessen werde ich dir jetzt wirklich zeigen, dass du dich nicht mit mir anlegen sollst. Mein Ego ist zurück.“ Diese Haltung prägt auch „Imaginary Playerz“, Cardis Version des JAY Z-Klassikers von 1997, die an einem miesen Tag im Sommer 2024 entstand. „Ich war total durch“, erklärt sie. „Der dritte oder vierte Tag, an dem ich auf der Couch im Studio schlafe. Fix und fertig. Hochschwanger. Ich hatte ziemliches Drama in meinem Privatleben. Ich war einfach nur müde, so fertig.“ Ihr Toningenieur legte den JAY Z-Track auf, um die Stimmung zu heben, und plötzlich hatte sie eine Idee. „Yo, stell dir vor, ich dreh das um, aber auf meine Art“, erinnert sie sich. Und da fiel ihr ein, dass sie eigentlich eine Menge hat, mit der sie prahlen kann. Bei all dem „DRAMA“ gibt es auch leichtere Momente. Für drei sinnliche R&B-Tracks holt sie sich Selena Gomez, Tyla und Lourdiz ins Boot, verwandelt einen Janet Jackson-Klassiker in das beschwingte „Principal“ und erinnert mit dem energiegeladenen Norteño-Banger „Bodega Baddie“ an ihre Wurzeln. Doch zuerst werden Schüsse abgefeuert – mal auf ihre sogenannten Mitstreiter:innen, mal auf miese Typen, die sie in „Outside“ über einem Triggerman-Sample zerlegt. Und in „Man Of Your Word“ spricht sie über das Scheitern ihrer Ehe, untermalt von melancholischen Steel Drums. Zwischen Prahlerei und Reflexion wirkt „DRAMA“ wie eine Katharsis, bevor es mit dem 2020er-Superhit „WAP“ endet – dem Song, der Rekorde brach und ein ganzes Jahrzehnt prägte.