

30 Jahre nach seinem ersten Akustikmeilenstein zieht er noch einmal alle Stecker – und beweist erneut, dass große Songs gerade dann leuchten, wenn sie reduziert gespielt werden. Herbert Grönemeyer gelingt mit seinem zweiten Unplugged-Album eine Rückschau, die nach der Gegenwart klingt: geerdet, ehrlich, detailverliebt und mit einer Ruhe, die man im heutigen Pop selten hört. Akustische Neuinterpretationen legen die Stärke des Musikers Schicht für Schicht frei: Üppige Arrangements machten seine Tracks über Jahrzehnte hinweg zu unvergesslichen Ohrwürmern, doch es ist die Verbindung aus zutiefst persönlichen Liedtexten und markanter Stimme, die so berührt. Sobald Klassiker wie „Mensch“ oder „Mut“ die digitalen Hüllen ablegen, wird ihre Verletzlichkeit noch offenbarer. Streicher, Akustikgitarre und Percussion öffnen dann neue Perspektiven, ohne dass die emotionale Wucht der Originale verloren ginge. Besonders beeindruckend klingt das durch den Rundfunkchor Berlin bei „Flugzeuge im Bauch“ oder „Der Weg“. Mit „Flieg“ streut der Sänger zudem ein neues Stück ein, das zwischen Fernweh und Ankommen schwebt. Getragen von luftigen Gitarren gleiten seine gewohnt raspeligen Vocals mit feiner Zurückhaltung durch die bewegende Wortpoesie des Liebeslieds. „Demo (Letzter Tag)“ schließlich wird im Duett mit LEA zu einem Moment purer Nähe, wenn sich zwei Generationen über Hoffnung und Verlust hinweg in einer neuen Zukunft begegnen. Zwischendurch blitzen mit Gaststars wie Peter Fox, BRKN oder Balbina leichte Ironie, rhythmischer Witz und klangliche Experimente auf. Unverkabelt entsteht ein lebendiger Dialog mit dem eigenen Werk – ganz ohne Pathos, dafür mit viel Gefühl.