4LAP

4LAP

Wenn die Musikgeschichte eines immer wieder bewiesen hat, dann Folgendes: Größe erfordert Mut. Jazeek, der sanfte Visionär des deutschsprachigen R&B, liefert mit seinem neuen Album „4LAP“ – ausgeschrieben bedeutet das „For Ladies And Playaz“ – satte 26 Tracks. Und die lesen sich wie eine Bestandsaufnahme sowohl seiner bisherigen Karriere als auch zeitgenössischer Befindlichkeiten. Wo sich der Musiker selbst einordnet, wird schon im Opener „4 da streets“ klar. Der ist eine Reise – geografisch und in Sachen Erfahrungen, denn Ganja auf Jamaika kommt in den clever zusammengestellten Lyrics ebenso vor wie Taylor Swift. Anderswo werden Miniröcke sowie der Flughafen Frankfurt thematisiert. Und untermalt wird all das von einer hochsinnlichen Produktion, die den klassischen R&B der 1990er-Jahre mit US-Hip‑Hop der 2010er-Jahre verbindet und mit einer kleinen Portion Trap abpudert. Vielleicht klingt diese Musik so international, weil Jazeeks Eltern einst aus den USA nach Deutschland kamen. Vielleicht aber auch, weil er ein enormes Talent dafür besitzt, Genres nicht nur zu streifen, sondern sie organisch ineinanderfließen zu lassen. Ist das gerade R&B, Rap oder womöglich sogar Pop? Egal, denn es berührt. Da ist etwa „304“ mit Aymen: Der Song schreit nicht nach Aufmerksamkeit, sondern erschleicht sie sich durch eine kluge Produktion, die alleine wegen der schönen Kombi aus einer dramatischen Klaviermelodie und durchaus clubtauglichen Beats lange im Gedächtnis bleibt. Gemeinsam mit Luciano wird in „Ma Shawty“ intensiv über die Fallstricke der Liebe nachgedacht, während das reezy-Team‑up „Miami“ uns in eine im doppelten Sinne heiße Nacht in Florida mitzunehmen scheint. Diese Vibes würden die meisten Hörer:innen wohl gerne mal selbst erleben. Bis es so weit ist, können sie sich dafür aber auf Jazeek verlassen.