

„Ich wollte einfach etwas Neues ausprobieren“, sagt beabadoobee im Gespräch mit Apple Music über ihr zweites Album „Beatopia“. Nach ihrem Debütalbum „Fake It Flowers“ aus dem Jahr 2020, auf dem sie sich schonungslos mit dem Chaos ihrer Teenagerjahre auseinandersetzte, war die Londoner Singer-Songwriterin nun so weit, aus ihren eigenen vier Wänden und ihrem Kopf auszubrechen. Und so zog sich beabadoobee (alias Beatrice Laus) in ein Studio im Südwesten Londons zurück, nachdem die strengsten Pandemiemaßnahmen aufgehoben worden waren, um mit ihrem Freund und Produzenten Jake Bugden eine neue Art des Musikmachens auszuprobieren. „Ich habe das Gefühl, dass ich bei diesem Album zum ersten Mal wirklich eng mit anderen Musiker:innen zusammengearbeitet habe“, sagt Laus gegenüber Apple Music. (Drei der Songs auf diesem Album schrieb sie auch zusammen mit Matty Healy von The 1975, zudem entstand eine Kollaboration mit PinkPantheress). „Ich fühlte mich so viel wohler. Alles ergab einfach einen Sinn.“ Nachdem sie sich für „Fake It Flowers“ dem Sound der 90er-Jahre zugewandt hatte, wollte sie nun ihren Horizont erweitern. „Es gab keine Regeln“, erinnert sich Laus. „Wir haben eine wirklich lange Playlist mit all den Liedern erstellt, die wir lieben, und sie waren alle völlig unterschiedlich. Ich will nicht an ein bestimmtes Genre gebunden sein. Ich habe gemerkt, dass ich alles machen kann, was ich will.“
Das Ergebnis ist ein Album, das eine unbeschwertere Seite von beabadoobee zeigt und auf dem sich die Wolken, die über „Fake It Flowers“ hingen, gelichtet haben. Es sind Lieder über das Verliebtsein, das Ausgehen während der Woche und vor allem über die Unterstützung durch wahre Freunde. „Ich habe das Gefühl, dass ich in ‚Fake It Flowers‘ ziemlich viel über negative Erfahrungen gesprochen habe und das hat mir damals wirklich geholfen“, sagt Laus. „Aber ich glaube, mit ‚Beatopia‘ habe ich endlich meine Vergangenheit akzeptiert.“ Doch was hat es mit dem Titel des Albums (der laut Laus „bay-a-topia“ ausgesprochen werden sollte) auf sich? Auch hier geht es um Selbstakzeptanz, eine Anspielung auf eine Fantasiewelt, in die sich die siebenjährige Laus flüchten wollte und die sie verwarf, nachdem eine Grundschullehrerin sie dafür ausgeschimpft hatte. „Die Idee von Beatopia wieder aufleben zu lassen, bedeutete, endlich Dinge in mir zu akzeptieren, für die ich nicht genügend Selbstvertrauen hatte“, sagt sie. „Ich habe gemerkt, dass ich ein besserer Mensch geworden bin und mich wohler fühle mit dem, was ich bin.“ Lies weiter, wenn beabadoobee uns durch ihr traumhaftes zweites Album führt.
„Beatopia Cultsong“
Der Song ist ziemlich experimentell und anders. Und ich denke, er ist perfekt als Einstieg für „Beatopia“. Ich mochte die Leute um mich herum sehr und Jacob und ich hatten ihn mit [Laus Freund] Soren und [Bugdens Freundin] Molly gemacht. Irgendwie kam er einfach aus dem Nichts. Ich dachte, das wäre die beste Art, das Album zu beginnen, denn es geht um Freundschaften und darum, jeden zu akzeptieren und zu schätzen, der mir in meinem Leben geholfen hat. Es war ein guter Übergang zu „10:36“, wo es eher heißt: „Du bist hier.“
„10:36“
Ich wollte einfach nur Spaß mit diesem Song haben. Die Hauptinspiration für den Sound war Frou Frou und für den Break haben wir ein Riff der französischen Band The Teenagers verwendet. Ich saß schon vor „Fake It Flowers“ an diesem Riff und wusste einfach nicht, was ich damit machen sollte. Aber als wir dann im Studio waren, ergab alles einen Sinn. Ich wollte einfach etwas Lautes, etwas super Eingängiges und etwas, das sich wiederholt und ziemlich brutal ist. Bei „Fake It Flowers“ dachte ich noch, dass jeder Song von meinem Leben handeln muss. Hier habe ich das erste Mal mit der Idee gespielt, dass ich manchmal nicht über meine Erfahrungen schreiben muss. Das war erfrischend.
„Sunny Day“
Ich wollte schon immer einen Song wie „Sunny Day“ schreiben und etwas machen, das nach R&B klingt. Das Einzige, was mich davon abgehalten hat, war, was die Leute denken könnten. Der Song entstand in einer besonders produktiven Zeit von Jacob und mir. Er ging ganz leicht von der Hand. Wir wollten, dass er poppig und eingängig klingt und sich im Kopf festsetzt – fast wie ein lustiges Schlaflied zum Tanzen. Ich liebe Nelly Furtado, ich liebe Corinne Bailey Rae. Ich dachte mir: „So etwas brauche ich auch.“
„See you Soon“
Ich habe mich zu 100 Prozent an Broken Social Scene orientiert. Der Song passt klanglich sehr gut zum Text. Ich habe das Gefühl, dass Broken Social Scene einen Text immer und immer wieder singen, weil er musikalisch einfach einen Sinn ergibt. Denn Song hatte ich geschrieben, kurz nachdem ich Shrooms genommen hatte, und ich machte eine dermaßen verrückte Erfahrung, dass ich etwas schreiben wollte, das mich daran erinnern würde. Es war fast so, als würde mir alles in meinem Leben klar werden. Das ist immer noch mein Lieblingssong auf „Beatopia“. Fast so, als würde ich zu mir selbst sprechen: „Wir sehen uns bald wieder“, denn ich bin buchstäblich aus dem Häuschen, ich verlasse fast meinen Körper.
„Ripples“
Die Balance bei diesem Song zu finden, war eine große Herausforderung. Am Abend zuvor hatte mir Matthew Healy das Video gezeigt, in dem Paul Simon in einer Fernsehshow einen Song aus dem Nichts schreibt. Und mir wurde klar, dass ich einen guten Songwriter-Song machen wollte – einen klassischen Song. Er ist sehr persönlich: Es geht um Selbstverwirklichung und Selbstreflexion und darum, dass man sich auf seine Freunde verlassen muss, damit es einem gut geht. Aber dann gehe ich auf Tournee und bin allein. Wenn du gehst, kommst du manchmal zurück und schätzt alles um dich herum noch viel mehr.
„The Perfect Pair“
Der Text war gar nicht so leicht, weil er sehr konkret ist. Es geht darum, dass das, was du an einer Person hasst, dich an dich selbst erinnert, deshalb heißt er „The Perfect Pair“. So einen Song hatte ich noch nie gemacht – ich wollte einfach mal etwas auf einen Bossa Nova-Beat machen. Es war auch das erste Mal, dass ich wirklich die Möglichkeiten meiner Stimme entdeckt habe.
„Broken Cd“
An diesem Song habe ich gesessen, seit ich 17 war. Ich wollte, dass er wie eine kaputte CD klingt, indem ich immer wieder das Gleiche sage. Ich finde, dass der Song vor allem Jacob und mich als zwei Individuen zeigt, die zusammenarbeiten. Der Song enthält den erlösenden Moment, in dem es heißt: „Oh, du kannst endlich aufatmen und glücklich sein.“ Aber dann kommst du zum Anfang zurück und obwohl es derselbe Text und dieselbe Akkordfolge sind, fühlt es sich irgendwie anders an – wie eine andere Reise.
„Talk“
Das ist ein Song, von dem ich wusste, dass ich ihn richtig gut schreiben und umsetzen kann. Es ist das Beste, was ich handwerklich leisten kann. Es war das erste Mal, dass wir alle als Band live gespielt haben und es hat so viel Spaß gemacht. Es war so chaotisch, es war toll. Der Hauptriff war wie „Maps“ von den Yeah Yeah Yeahs, aber in der Demo-Version. Der Song handelt von einer Dienstagnacht, in der man sich sagt: „Ach, was soll’s“. Er ist nicht besonders tiefgründig. Ich wollte einen eingängigen Refrain, der leicht zu verstehen ist. Ich dachte mir: „Lass es uns mal nicht ganz so ernst nehmen.“
„Lovesong“
Ich liebe es, Liebeslieder zu schreiben. Du kannst dir den verrücktesten Kram einfallen lassen, der sich nur auf dich bezieht. Das hier ist wahrscheinlich einer der persönlichsten Songs über meinen Freund. Ich muss immer einen Song über meinen Freund auf meiner Platte haben, weil er so ein großer Teil meines Lebens ist. Der Text „I missed the train again/I called your name as if you’d drive it back“ („Ich habe wieder den Zug verpasst/Ich sagte deinen Namen, als könntest du ihn wieder zurückholen“) beschreibt meiner Meinung nach am besten, wie es ist, wenn man verliebt ist. Wenn du verliebt bist, raubt es dir den Verstand. Du denkst nur noch an diese Person, ohne dass du es wirklich merkst.
„Pictures of Us“
Die Credits hierfür gehören Jacob und Matthew. Es war Mattys Song: Er überließ ihn mir und ich änderte den ursprünglichen Text, in dem es um seine Kindheit ging. Ich wollte über meine Kindheit und ein Mädchen schreiben, das ich kannte und über das ich schon auf „Fake It Flowers“ geschrieben habe. Er handelte von den verrückten Sachen, die wir als Teenager gemacht haben. Der Text, den Matty schrieb, lautete: „She reminded me that God started with a capital letter.“ („Sie erinnerte mich daran, dass Gott mit einem Großbuchstaben anfängt.“). Das lässt viel Raum für Interpretationen. Für mich persönlich bedeutet es, dass du jemanden wirklich bewunderst, obwohl du nicht auf der gleichen Seite stehst – aber du versuchst es.
„Fairy Song“
Ich wollte einen Song machen, so etwas wie die Zehn Gebote, aber mit meinen Regeln. Ich wollte auch schon immer etwas machen, das von Cibo Matto inspiriert ist. Es gibt hier eine Textzeile, die lautet: „I know you’re sad, because someone died, but I’m not gonna sit inside and do nothing“ („Ich weiß, dass du traurig bist, weil jemand gestorben ist, aber ich werde nicht einfach nur dasitzen und nichts tun“). Jacob hat ihn nach dem Tod von MF DOOM geschrieben, weil ihn das sehr mitgenommen hat. In dem Song geht es darum, sich nicht auf das zu konzentrieren, durch das man sich mies fühlt, sondern auf Dinge, die man aktiv tun kann, um wieder auf die Beine zu kommen.
„Don’t Get the Deal“
Ich wollte schon immer mal einen Song schreiben, der wie ein Dialog zwischen einem Jungen und einem Mädchen aufgebaut ist. Den männlichen Part singt Jacob und wir haben den Song mit Jack von Bombay Bicycle Club geschrieben. Er fand die Akkorde und nach meinem Gefühl ergab sich alles ganz natürlich. Manchmal wird es auch ziemlich heftig und dann gibt es die Middle Eight, die dich quasi in den Bossa Nova-Teil des Albums zurückführt. In diesem Song geht es darum, dass man jemanden manipuliert oder nicht der beste Gegenüber für eine andere Person ist, aber man ist einfach so abhängig.
„Tinkerbell Is Overrated“
Das ist mein Lieblingstext auf dem Album. Ich spreche über die Krähen, die über meinem Zimmer hocken, und die Käfer, die in meinem Zimmer leben, und darüber, dass ich einfach verrückt werde. Geschrieben habe ich ihn im Studio, aber ich dachte dabei an die Zeit, in der ich wegen der COVID-Isolation buchstäblich verrückt geworden bin. Gleichzeitig war es aber auch eine der besten Zeiten in meinem Leben, ich hatte das Gefühl, dass ich das brauchte. Ich wollte etwas sehr Verspieltes und PinkPantheress passte wirklich gut dazu – sie hat die Melodie perfekt auf den Punkt gebracht. Sie ist eine gute Freundin von mir. Damals war mir das nicht bewusst, aber wenn ich mir das Album anhöre, ist es sehr von Freundschaft geprägt. Es geht um die Menschen um mich herum und darum, dass ich alles zu schätzen weiß. Eigentlich ist es naheliegend, dass das einzige Team-up, die mit einer Freundin war.
„You’re Here That’s the Thing“
Das ist der letzte Song auf dem Album und er ist ein echter Abspann, der auf dem Bildschirm erscheint. Ich wollte, dass sich das ganze Album wie ein Film oder ein Soundtrack zu einem Film anfühlt. Das ist das, das ich wirklich machen will. Es erinnert fast an „You’ve Got a Friend in Me“ aus „Toy Story“, also etwas super Süßes, Freches und Niedliches. Auch diesen Song habe ich zusammen mit Matty Healy geschrieben. Ich schreib die Strophen und er zeigte mir seine Idee für den Refrain. Ich fragte: „Was meinst du damit?“ Er sagte: „Ehrlich? Ich weiß es nicht, aber es macht wirklich Spaß.“ Ich sagte: „Okay, mach es einfach. Es ist eigentlich egal, was in Kalifornien illegal ist. Es könnte alles sein.“