

Der sonst so partywütige Rapper wird auf diesem Album erstaunlich intim. Vor „The Real Me“ hat Future bereits neun Alben und rund 20 Mixtapes veröffentlicht. Wenn man die Lyrics dieser Releases für bare Münze nehmen würde, dann müsste man den Rapper für einen drogenabhängigen, ständig nach Geld gierenden und durchwegs an Liebeskummer nagenden Menschenfeind halten, der eigentlich nur durch sein Können in Sachen Rhythmus und Wortkunst besticht. Eins vorweg: Futures zehntes Album tut wenig, um dieses Image zu entkräften. Aber es beweist uns erneut, dass wir da einem der originellsten MCs überhaupt zuhören. Wer Future wirklich kennt, liebt auch seine unglaublich einfallsreichen Gedankensprünge. Und „The Real Me“ ist genau damit vollgepackt. In sehr wenigen Songs geht es nur um ein Thema. Die meisten Verse wirken eher so, als würde sich der Rapper gerade komplett in seinen Gedanken verlieren. So werden auch zufällige Beobachtungen zu Zeugnissen seiner Unsterblichkeit: „Cartel pulling up on me/I’m not the average Joe“ („Das Kartell kreuzt bei mir auf / Ich bin aber kein Durchschnittstyp“), hört man zum Beispiel in „F**k a Interview“. Ganze Refrains basieren auf dahergesagt wirkenden Bemerkungen: „California girls/They always in the store“ („Mädels aus Kalifornien / Immer am Shoppen“), rappt Future etwa in „California Girls“. Und auch Promis geraten ins Kreuzfeuer: „I‘m having way more bitches and hoes than Nick Cannon/And I get way more littier and I get way more fresh“ („Ich bekomme weit mehr Bitches und Hoes ab als Nick Cannon / Und ich geh viel härter ab, bin viel fresher“), heißt es in „Snow in Skyami“. Die Art, wie Future auf „The Real Me“ rappt, ist genau geplant und komplett unerbittlich – fast so wie ein Horrorfilm-Bösewicht, der seine Opfer jagt. Der Musiker kann sich einem einzelnen Thema widmen, etwa seiner Liebe für exotische Frauen im Song „Konnichiwa“ oder seiner perfekten Partnerin auf dem Track „Build a Bitch“. Aber er klingt mindestens genauso souverän, wenn er die Grenzen seines Sounds pusht. Beispiele gefällig? Da wäre seine ungewöhnlich quietschige Stimme auf „2018“. Oder sein abgedrehter Schlaflied-Tonfall auf „Cast a Spell“. Und natürlich seine Imitation eines New‑Wave-Bandleaders auf „Hollywood“. Kurz gesagt: Der echte Future ist immer noch der gleiche MC, der jedes Mal unsere volle Aufmerksamkeit hat, sobald er ein Mikro in die Hand nimmt. Und für echte Future-Fans war das schon immer genug.