

Es ist verlockend, über Dmitri Schostakowitschs Beweggründe und Gedanken bei der Komposition seiner zehnten Sinfonie zu spekulieren, denn sie entstand im Jahr von Stalins Tod. Der zweite Zusammenprall mit dem sowjetischen Regime fünf Jahre zuvor hatte Schostakowitsch an den Rand seiner materiellen und schöpferischen Existenz getrieben, sein sinfonisches Schaffen ruhte. Einige Hörer:innen haben die Hypothese aufgestellt, dass der kurze und wütende zweite Satz Stalin symbolisiere, aber dafür gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege. Was auch immer ihn inspiriert hat: Schostakowitschs zehnte Sinfonie war bei ihrer Uraufführung 1953 eine triumphale Rückkehr zu alter Form und ist bis heute – zusammen mit seiner fünften und siebten Sinfonie – eines seiner berühmtesten orchestralen Werke. Diese schonungslose, intensive Einspielung aus dem Jahr 2010 erhielt begeisterte Kritiken und eine Reihe von Auszeichnungen und markiert einmal mehr die erfolgreiche und dauerhafte Partnerschaft des russischen Stardirigenten Vasily Petrenko mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra.