

„Ich war fest entschlossen, dass dieses Album wie eine Rockband klingen sollte“, erzählt Mitski gegenüber Apple Music über ihr achtes Werk „Nothing’s About to Happen to Me“. „Ich dachte: ‚Es soll reduziert sein. Es soll sich anhören wie ein Album von mir vor zehn Jahren.‘ Aber als wir die ersten Demos aufgenommen haben, war es, als ob die Songs – das klingt jetzt vielleicht etwas abgehoben – nach mehr verlangten.“ Und so wurde die ursprüngliche Rockband-Energie durch üppige Live-Instrumentierung (von der Band, mit der sie 2023 für „The Land Is Inhospitable and So Are We“ auf Tour war) sowie einem Orchester ersetzt. Die Songs entwickelten sich, wie Mitski es beschreibt, zu einem „Ungetüm aus all diesen verschiedenen Instrumenten“. Einige Songs auf „Nothing’s About to Happen to Me“ klingen tatsächlich so, als hätten sie vor zehn Jahren erscheinen können – wie das unruhige „Where’s My Phone?“ oder „If I Leave“ und „Lightning“, die gut auf das 2016er Album „Puberty 2“ gepasst hätten. Doch der Großteil dieses Albums fühlt sich an wie ein natürlicher nächster Schritt nach „The Land Is Inhospitable and So Are We“, das stark von Country- und Americana-Sounds inspiriert ist. Die Bezeichnung „Ungetüm“ ist dabei ein wenig selbstironisch: Die Songs auf diesem Album gehören zu den fesselndsten Momenten in Mitskis Karriere, sie klingen so reich und kraftvoll, dass sie manchmal fast zu explodieren scheinen. Trotzdem weist „Nothing’s About to Happen to Me“ alle Merkmale eines sehr persönlichen Albums auf. Als Mitski das Projekt begann, war ihr das aber noch nicht bewusst. Denn was ein Album wirklich ausmacht, werde ihr erst klar, wenn es fertig ist: „Ich habe immer einfach locker geschrieben, bis endlich genug Songs für ein Album zusammenkommen. Dann ergibt sich das Album von selbst“, erklärt sie. „Ich schreibe nie thematisch. Ich bin mir selbst immer ein Rätsel. Ich schaue mir die Songs an, die ich geschrieben habe, und denke: ‚Oh, da gibt es ein Muster. Das ist interessant.‘ Dann versuche ich, das Ganze zusammenzusetzen und herauszufinden, was es bedeutet.“ Dieses Album beschäftigt sich viel mit dem Ende einer Beziehung, wobei die Singer-Songwriterin sich fragt, ob sie jemals wieder jemanden finden wird, der so gut zu ihr passt („If I Leave“). In „Cats“ stellt sie sich vor, allein mit ihren Katzen zu sein (die sie vielleicht auch irgendwann verlassen), und in dem Bossa Nova-inspirierten „I’ll Change for You“ verspricht sie, sich zu ändern, um die Beziehung zu retten. „Für diesen Song wollte ich etwas für die verzweifelten Momente schreiben, die wir alle schon mal erlebt haben. Und es ist okay, weil wir alle Menschen sind“, sagt sie über den Song. „Es ist eine Art Verhandlungsphase. Du weißt, es ist vorbei, aber du fragst: ‚Was, wenn ich mich für dich ändere? Was, wenn ich all diese Dinge an mir ändere, damit du mich wieder magst?‘“ Ebenfalls thematisiert wird dieses Verlangen zu verschwinden – sei es durch endloses Scrollen in „Where’s My Phone?“, den gefundenen Frieden beim Schwimmen in „In a Lake“ oder das Aufsuchen eines Ortes, an dem man nicht gefunden werden kann, in „Instead of Here“. Vielleicht ist Mitskis Wunsch, ein Rockalbum zu machen, das sich wie aus einer anderen Ära anhört, ihr Versuch, sich dem zu entziehen, was sie als Künstlerin bisher erreicht hat: virale Berühmtheit, die häufige Anerkennung als „beste Songwriterin ihrer Generation“ und eine leidenschaftliche Fangemeinde, die sie anzuziehen scheint. Mit all dem hat sie öffentlich gekämpft und es in ihrer Musik (wie auf dem von Burnout geprägten „Laurel Hell“ von 2022) verarbeitet. Man könnte auch sagen, dass „Nothing’s About to Happen to Me“ aufwendiger ausgefallen ist als erwartet. Die Musikerin scheint nicht zurückzugehen oder sich kleinmachen zu wollen. Und vielleicht genießt sie all das doch irgendwie. Mitskis markanter schwarzer Humor kommt in dem zum Schmunzeln anregenden „That White Cat“ zum Vorschein: „I see him through my window/The white neighbourhood cat marking my house/It’s supposed to be my house/But I guess, according to cats, now it’s his house. (Ich sehe ihn durch mein Fenster / Den weißen Nachbarskater, der mein Haus markiert / Es sollte mein Haus sein / Aber jetzt gehört es den Katzen nach wohl ihm.)“ Lachen könne, so Mitski, genauso gut ihre Ängste bekämpfen wie alles andere. „Das ist eine Bewältigungsstrategie, oder? So komme ich durch den Tag“, sagt sie. „Einfach darüber lachen.“