Deja Vu 1/2

Deja Vu 1/2

Der Titel klingt nach Nostalgie und Rückwärtsgewandtheit – und genau das ist „Deja Vu 1/2“ nicht. Clueso ist in Bewegung, wirkt quicklebendig, vor dem inneren Auge sieht man ihn beinahe herumhüpfen. Viele Songs tragen eine spürbare Leichtigkeit in sich und klingen, als seien sie unterwegs entstanden: zwischen Proberaum, Straße und offenen Fenstern. Man hört wieder stärker eine Band, echte Dynamik, so etwas wie Aufbruchsstimmung. Dabei bleibt trotzdem alles unverkennbar Clueso, also reflektiert und alles andere als oberflächlich. „Gib mir was Echtes“ setzt den Ton: Gitarren grätschen, der Refrain öffnet sich weit und Clueso klingt wach, präsent, unangestrengt. Es geht um Nähe und um Verbindlichkeit in einer Zeit voller Oberflächen – getragen von einer fast optimistischen Energie. Diese Direktheit zieht sich durch große Teile des Albums. Die Songs wollen nicht seziert werden, sondern begleiten: bei Autofahrten, an den ersten warmen Tagen, im Hintergrund von Gesprächen, die länger dauern als geplant. „Jedes Jahr“ mit Chapo102 bringt rhythmisch federnd und nach vorn drängend zusätzliche Bewegung, während „Ballon“ kurz Luft holt. Der Titeltrack „Deja Vu“ tupft zarte Akkorde in den Himmel, „Freier Fall“ hingegen fährt schwere Bässe auf. Mit „Deja Vu 1/2“ wirkt Clueso angekommen – im eigenen Sound, im Vertrauen aufs Bauchgefühl und in der spürbaren Lust, genau die Musik zu machen, nach der ihm der Sinn steht. Nach zehn Alben so unverschämt frisch zu klingen, als wär man gerade 20 geworden, das gelingt nur wenigen.