Hotel

Hotel

Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommt. Die Tür hinter sich schließt und die Zumutungen der Realität aussperrt. Sich erst einmal aufs Bett fallen lässt, später vielleicht den Bademantel überstreift und sich eine Kleinigkeit aus der Minibar gönnt: All das kann ein Hotel sein. Man kommt bei sich an, obwohl man eigentlich unterwegs ist. Dieses Gefühl verströmt das so betitelte achte Album von Johannes Oerding. Mehr noch: Schon das Cover deutet es an. Es zeigt den Hamburger Singer-Songwriter unterwegs, nur mit seinem Gitarrenkoffer. Denn auf Reisen besinnt man sich auf das Wesentliche. Ganz auf sich allein gestellt ist Oerding dabei jedoch nicht. Bass, Schlagzeug, Gitarren, warme Streicher und Tasteninstrumente prägen ebenfalls den Klang von „Hotel“. Dennoch wirkt der Sound sehr unmittelbar: Nie klingt er nach großem Tonstudio oder technischen Mätzchen, sondern stets so, als stünde man direkt neben der Band. Aus den Songs tropfen Soul, Folk und Rock, gelegentlich unterstützt von weiteren Stimmen: in der groß angelegten Ballade „Märchen aus Hollywood“ etwa von Sarah Connor. Michael Patrick Kelly gastiert im abschließenden „Wolken“, und in „Eiszeit 2.0“ ist Peter Maffay zu hören. Wenn die beiden von einer Gesellschaft singen, die unfähig ist, aus ihren Fehlern zu lernen, entsteht einer der eindrücklichsten Momente des Albums. Viele weitere Höhepunkte gehen allein auf Oerdings Konto – vielleicht am schönsten: das kleine, große „Jahreszeiten“. Zur Akustikgitarre erzählt er von Einsamkeit, von Verzweiflung – und davon, dass es immer einen Ausweg gibt. Wer wollte ihm da widersprechen?