

„Pass auf mich auf, ich bin gefährlich nah am Wasser gebaut“: ANU singt diese Zeile im abschließenden Song des Albums von Vega. Für Fans kommt das Team‑up kaum überraschend, kennen sie ANU doch bereits von früheren Veröffentlichungen. Aber so berührend wie hier, in diesem Plädoyer für Liebe und Fürsorge in einer Welt, die eher nach der Währung Stärke schreit, haben wir ihn noch nie gehört. Auf „König ohne Krone“ spielt der Track eine zentrale Rolle, auch als Gegengewicht zu jenen Momenten, in denen Vega gewohnt wortgewaltig sagt, was Sache ist. Dieses Spannungsfeld zwischen Reflexion und selbstbewusster Standortbestimmung prägt das musikalische Schaffen des Frankfurter Rappers seit jeher. Doch selten erschien es so präzise ausbalanciert wie hier. Der Titel ist dabei Konzept: Ein König ohne Krone herrscht nicht durch Macht, sondern durch Erfahrung, Authentizität und Haltung. Drei Eigenschaften, die Vega, seit 2012 Dauergast in den deutschen Charts, unbestritten auszeichnen und die sich auch in seinen bisherigen Erfolgen spiegeln. Die beeindruckende Gästeliste des Albums unterstreicht das: Für „Was ich mach“ holt sich Vega mit Shindy einen Musiker an seine Seite, der nicht nur seit vielen Jahren erfolgreich ist, sondern auch stilprägend. Dass die beiden überhaupt zusammen einen Track aufgenommen haben, ist bemerkenswert – hatten sie doch vor Jahren noch Beef miteinander. Ebenso überraschend ist „Weit weg“ mit Casper, der eher selten als Featuregast in Erscheinung tritt. Sein Part erzählt mit rauer Stimme und melancholischer Bildsprache von Entfremdung und Zusammenhalt zugleich. Kontra K ist auf „Beende mich“ zu hören, LUNA verleiht „Liebe“ zusätzliche Gravitas. Und Olexesh sowie Celo & Abdi bringen in „Die Einzigen“ eine gute Portion Frankfurt-Feeling ein. Was die so unterschiedlichen Features eint: Sie formen ein Werk mit, bei dem der oft überstrapazierte Begriff des „bisher persönlichsten Albums“ tatsächlich greift. Wer Vega wirklich verstehen will, muss „König ohne Krone“ hören.