

Einer der Sätze im „Prolog“ dieses Albums überrascht: „Herzlich willkommen in der neuen Welt von Schiller“, heißt es da. Dabei dachte man doch, dass man den Kosmos, in dem der Musiker und Produzent Christopher von Deylen arbeitet, ganz gut kennt. Seit Anfang der 2000er‑Jahre begeistert er mit einem sehr eigenen Sound zwischen getragenen Trance-Rhythmen, schwebenden Melodien und groß angelegten Ambient-Arrangements. Es ist nicht so, dass „Euphoria“ diese Geschichte komplett umschreibt. Wohl aber fügt Schiller ihr einige Kapitel hinzu. Er verschiebt auf diesem Album die Regler, er baut ein Universum, in dem Trancebeats wie Scheinwerfer flackern und das mehr denn je zum Tanzen einlädt. Tracks wie der die großen Rave-Zeiten der 1990er heraufbeschwörende „Memories Of Beyond“ mit Karakum oder das FRIDA GOLD-Team‑up „Sieben Nächte“ werden dabei dem Albumtitel mehr als gerecht. Sie verströmen tatsächlich jene Euphorie, die sich eigentlich nur einstellt, wenn in einer langen Partynacht alle Einzelteile ineinandergreifen. An anderer Stelle hören wir Schiller selbst: Mit berührender Erzählstimme berichtet er von der Kraft der Musik. Einer der Höhepunkte ist das Liederpaar „Phoenix I“ und „Phoenix II“: Hier tritt die Energie einen Schritt zurück, macht zunächst Platz für Kontemplation und kleine Klangabenteuer. „Aus Asche wird ein neuer Tag“ heißt es, während alle Instrumente verstummen. Doch dann tupfen wieder Synthies ihre Töne wie Pinselstriche auf eine weiße Leinwand, dann gibt ein Beat Struktur, dann entsteht schließlich eine elegisch-tröstende Melodie. Beinahe zehn Minuten dauert das Songdoppel. Im heutigen Popgeschäft ungewöhnlich – aber eben genau die Zeit, die „Phoenix“ und von Deylen brauchen. Im „Prolog“ fasst er es gut zusammen: „Musik ist für mich wie ein Zauber, eine Sprache ohne Worte. Musik hat Kraft, Herzen zu heilen und zu verbinden oder zu trösten.“ Mehr muss man doch gar nicht sagen.