

Paula Carolina hat ein Herz für Boomer:innen – oder zumindest für deren verstrahlte Monologe. Auf „wild“ verwandelt sie diese, getragen von Slacker-Sounds im Geist der 1990er-Jahre, in pointierte Miniaturen. So wird das Geseier eines Passanten aus Bottrop in „WO IST DER BUS“ zum ultimativen Diss gegen eine Generation, die alles besser zu wissen glaubt. Sie singt vom „Mundmistmonolog“ des Fremden und von ihrer anschließenden Flucht in die Content-Welten ihres Telefons – wo sie auf den Optimierungswahn und das vermeintlich perfekte Leben der eigenen Generation stößt. Der Track ist typisch Paula Carolina. Die Sängerin scheint sich immer da am wohlsten zu fühlen, wo die Ironie kurz davor steht, in Ernsthaftigkeit umzuschlagen. Dabei teilt sie nicht nur gegen die Alten aus, sondern nimmt auch das eigene Umfeld präzise in den Blick. Seit 2021 baut sie an einem ganz eigenen Universum: musikalisch vielseitig, mit Platz für Punk und Indie, zugleich offen für Pop, Klassik und Hip-Hop. Nach dem Debütalbum von 2024 zeigt sie sich auf „wild“ noch einmal mutiger. Man kann Bezüge zu großen Deutschpunk- und NDW-Acts der 1980er- und 90er‑Jahre herstellen. Vielleicht auch zu all denen, die aktuell zwischen Ostsee und Alpen stabilen und politisch informierten Indie‑Pop spielen. Doch letztlich unterstreichen Songs wie das schnoddrige „GIB MIR DEIN GELD!“, das ruppige „IMMATRIKULATIONSBESCHEINIGUNG“ oder das nur vordergründig lustige „DIE ZECKE“ vor allem eines: Hier macht eine ihr Ding. Und sie macht es sehr gut. Einer der zentralen Songs trägt den Titel „DARF SIE DAS?“ Die Antwort fällt eindeutig aus: ein unbedingtes „Ja“.