Aymo

Aymo

Aymo · Aymen · AMO

Es ist nicht so, dass Aymen und AMO auf diesem Album tiefstapeln. Im Gegenteil, sie umarmen die Zeichen des Erfolgs – ganz so, wie das im Hip‑Hop erwartet wird. Luxusmarken und Statussymbole sind allerdings weniger als Triumphgesten zu verstehen, sie sollen eher Marker eines neuen Lebens sein. Brabus und Maserati rollen durch die Tracks, Hennessy und Dom Pérignon stehen immer bereit, am Handgelenk zeigt die Patek Philippe die Zeit an. Auffällig ist jedoch, dass diese Marken kaum als Ziel erscheinen. Sie sind vielmehr Symbole eines Kontrasts zwischen dem, was erreicht wurde, und dem, was innerlich ungelöst bleibt. 2023 begeisterten Aymen und AMO das Publikum in der ersten Staffel des Castingformats „Rap La Rue“. Warum diese Reaktion kam, zeigten beide auf einem („Aymen“) beziehungsweise zwei („Amo aller Amos“, „SSJ“) Studioalben. „Aymo“ wirkt wie eine gemeinsame Bestandsaufnahme dieses Weges und zugleich wie ein Protokoll dessen, was nach dem Durchbruch passierte. Nicht mehr der Kampf um Sichtbarkeit steht im Vordergrund, sondern der Zustand danach. Es geht um Rast- und Ratlosigkeit, um die Verarbeitung des Erfolgs, um Druck von außen und immer wieder um Frauen. „Interviews, Photoshoots, komme selten ma’ zur Ruh“, heißt es in „Pech & Schwefel“. Musikalisch übersetzt das Album diese innere Lage konsequent. Weich ausgepolstert und zu pulsierenden Beats berichten die Songs aus der Nacht, von der Straße, aus dem Jacuzzi. Vom berührenden Schlusstrack „Rap aus Herzen“ abgesehen, bleibt die Wut immer kontrolliert. Stärke wird zwar beschworen, aber vor allem reflektiert. Eine zentrale Botschaft des Albums: Du kannst deine Vergangenheit nicht ablegen wie eine zu eng gewordene Jacke. Oder anders gesagt, kannst du es versuchen, aber sie wird dich immer wieder einholen. Teile von ihr wirst du in manchen Momenten sogar vermissen. Am stärksten wird diese Geschichte in „Slumdog Millionär“ erzählt: „Planlos ging der Plan los / Taschen leer, die Augen rot / Lauf’ die Gassen auf und ab“, rappt AMO hier. Und später: „Hab’s gehasst, doch vermiss’ die Zeit / Ich hass’ es, ein Star zu sein.“ Aymen reflektiert in seinen Zeilen ebenfalls die Vergangenheit: „Kamen barfuß ins Land / Keiner reicht dir die Hand / Wir wollten nie so sein, doch sie formen Verbrecher.“ Was diese beiden geschafft haben, ist beeindruckend.

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