Mit der Concorde über den Atlantik

Mit der Concorde über den Atlantik

Mit seinem Partner 9ine prägt er seit 2017 die Rap-Szene Kölns, 2022 veröffentlichte er mit „Cansado“ sein erstes Soloalbum. Und jetzt unterstreicht Lugatti erneut seine Kernkompetenzen – mit seinem neuen Werk „Mit der Concorde über den Atlantik“. Der gebotene Sound wirkt dabei wie ein Spaziergang durch die Rheinmetropole: nahbar, direkt und unaufgeregt. Er gibt sich nicht übermäßig höflich, trägt aber das Herz am rechten Fleck und erzählt, was passiert, ohne zu viel zu reden. Wie der Rapper im Titeltrack selbst anmerkt, ist er ein „Satansbraten, getrieben von jugendlichem Leichtsinn“. Als solcher wechselt Lugatti zwischen selbstbewussten Punchlines und einer Introspektion, die sicher auch mit einer Liebe zum Rausch zu tun hat. Sein Produzent Traya sorgt für die passende musikalische Untermalung. Mal lässt er die 808 rollen, mal legt er den Raum mit verwaschenen Soundscapes aus. Und bisweilen zeichnet er in den schönsten Oldschool-Farben. Denn obwohl weder er noch der Rapper besonders traditionalistisch vorgehen, wissen sie um die Magie eines Beats, der in die Vergangenheit weist. Sie widmen dieser Magie sogar einen ganzen Track: „Straight Chillin“ kommt mit einem watteweichen E‑Piano, einem strukturgebenden Bass und einem Takt, der antreibt, ohne in Hektik zu verfallen. Dabei passt es sehr gut, dass die dazu erzählte Geschichte von einem Joint, von ein paar verlorenen Tagen sowie von rot unterlaufenen Augen handelt. Und dass Lugatti am Ende zu viele Espressi getrunken hat und sich deswegen kurz setzen muss, passt ebenfalls. Denn das Album pendelt zwischen genau diesen Polen: maximale Entspanntheit und angenehme Aufregung. Ohnehin ist Lugatti ganz sicher kein Hänger, sein Song „Runclub“ berichtet ja vom Halbmarathontraining, Gels und Magnesiumtabletten. Das gab es im Deutschrap bisher auch eher selten.