HADES

HADES

Melanie Martinez lässt die „Cry Baby“‑Persona hinter sich, die sie auf ihren ersten drei Alben aufgebaut hat. Auf ihrem vierten Album „HADES“ öffnet sie die Büchse der Pandora und zeichnet das düstere Bild einer scheiternden Gesellschaft. Los geht es mit dem feurigen „GARBAGE“. Die Singer‑Songwriterin setzt auf unheimliche Bilder, einen frech‑spöttischen Ton und eine komplexe Produktion, um sich auf dem ganzen Album mit den Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen. Und niemand bleibt von ihrer Kritik verschont. Luftig und ätherisch macht sich „POSSESSION“ über das Tradwife‑Ideal lustig. „WHITE BOY WITH A GUN“ nimmt zu Recht und mit scharfen Worten diejenigen ins Visier, die „swipe and ignore“ („swipen und ignorieren“). Das an ein Requiem erinnernde „THE VATICAN“ verurteilt alle, die sich hinter der Religion verstecken, und beim gitarrenlastigen „CHATROOM“ kriegt natürlich auch die Online‑Kultur ihr Fett weg. Mit ungeschönter Präzision knöpft sich Martinez alles und jeden vor und daraus entsteht eine wunderschöne, wenn auch düstere Klanglandschaft. Und auf „GUTTER“ zeigt sie, wie es besser geht: „Build your community, don’t get immune to this“ („Baut eure Gemeinschaft auf, werdet nicht immun dagegen“).