

„FREE GAME“ fühlt sich an wie ein schneller Trip durch eine Nacht, in der die Straßenlaternen zu hell und die Gedanken zu laut sind. KALIM setzt auf Tempo, auf Präsenz und auf diesen Blick nach vorn. Trotzdem hat der Musiker den Rückspiegel ständig in Sichtweite. Der Sound bewegt sich zwischen flirrenden Clubfrequenzen und harter Kante – so, als ob jemand die Komfortzone absichtlich in den Sneakers vergessen hätte und barfuß auf dem harten Asphalt einfach losgelaufen wäre. Die Vorboten verraten schon viel über das Narrativ des Albums. So jagt „DND“ auf Drum ’n’ Bass nach vorn und lässt in einem Nebensatz eine Abhängigkeit aufblitzen, die schwerer wiegt als jede Hochglanz-Ästhetik. „PRESTOS“ arbeitet mit Erinnerungen und vermeintlichen Widersprüchen – früher die Wege durch Blocks und Lieferfahrten, heute der Tunnelblick auf Cashflow und Motoren, erzählt über ein Paar Schuhe als Zeitstempel. Und dann kommt „ADDICT“, als würde man von einem Raum in den nächsten treten: Unter der harten, selbstbewussten Performance liegt eine zweite Ebene, in der kurz etwas durchscheint, das man sonst nur hinter verschlossenen Türen sagt. Features wie die von Nimo und Lucio101 wirken dabei wie Cameos in einem Film, der ohnehin schon schnell genug ist. Und reezy sorgt auf „RAUCH“ nicht nur im Refrain für diese Hands-on-Energie, die über dem gesamten Projekt liegt. Das Ergebnis ist eine Reihe dichter Szenen, in denen Haltung, Hunger und Gewohnheiten aneinanderreiben und so etwas Neues entstehen lassen.