

Ende 2024 bekam Charli xcx eine SMS von einer ihr bis dahin unbekannten Nummer. Die Absenderin? Regisseurin Emerald Fennell. Ob die Musikerin nicht Interesse hätte, das Drehbuch für ihre Adaption von „Wuthering Heights“ („Sturmhöhe“) zu lesen? Charli war nach dem erfolgreichsten Jahr ihrer Karriere kreativ erschöpft, tauchte aber dennoch in die sturmumtoste Welt von Emily Brontës einzigem Roman ein – und fühlte sich unerwartet inspiriert. Als Fennell fragte, ob sie einen Song zum Soundtrack beisteuern möchte, hatte Charlie Größeres im Sinn: Warum nicht gleich ein ganzes Album? Ob der resultierende Soundtrack nun ein typisches Charli xcx-Album ist, daran scheiden sich die Geister. Selbst Charli ist sich da nicht so sicher, wie sie im November 2025 in einem persönlichen Essay verriet. Aber es fühlte sich für sie auf jeden Fall wie die Freiheit an, das eigene Ich außen vor zu lassen und sich in eine Jahrhunderte zurückliegende Welt zu versetzen. Eine Welt, die von einem „BRAT“-Sommer gar nicht weiter entfernt sein könnte. „Ich wollte in diese Figuren und in diese Welt eintauchen, die sich so echt, wild, sexuell, gotisch, britisch und gequält anfühlt – voll von kompletten Hauptsätzen mit richtiger Zeichensetzung und Grammatik“, schrieb sie. „Ohne Zigarette oder Sonnenbrille war das so völlig anders als mein eigentliches Leben zu dieser Zeit.“ Alles in allem ähneln die Titel auf „Wuthering Heights“ wohl höchstens dem Gothic-Pop von Charlis Debütalbum „True Romance“ aus dem Jahr 2013. Nur dass Charli xcx und ihr langjähriger musikalischer Partner Finn Keane diesmal atemlose Hooks und herzzerreißende Melodien („Chains of Love“, „Dying for You“) mit dröhnenden Streichinstrumenten und Feedback-Bursts in der Lead-Single „House“ kontern. Unterstützt wird sie in „House“ von John Cale (ehemals The Velvet Underground), der den eindringlichen Track mit einem ominösen Spoken-Word-Monolog einleitet. Es ist ein berauschender Mix aus Verderben und Verlangen, dessen Lyrics über Druck und Eskapismus manchmal genauso gut zu Charlis Leben nach „BRAT“ passen wie zu Brontës klassischer Geschichte über Leidenschaft und Obsession.