

Ein gemeinsames Tagebuch mit zwei unterschiedlichen Handschriften. Dieselbe Szene, aber aus einem anderen Blickwinkel. Auf ihrem Album spielen HE/RO ganz selbstverständlich mit dieser Zwillingslogik. Mal klingt es wie ein Augenrollen über den eigenen Film, mal wie ein leiser Satz, der zu lange im Kopf geblieben ist. Dadurch wirkt „VIER AUGEN“ sehr nahbar: Gedanken springen, Gefühle kommen in Wellen und zwischen allem liegt dieses vertraute Band, das man nicht erklären muss, sobald man es hört. Auch musikalisch lebt das Projekt von Perspektivwechseln. Es gibt Songs, die mit großen Gitarren aufbrechen und sofort Herzklopfen in den Raum stellen („KALTE HAUT“ mit liska). Dazu gesellen sich Momente, die wie kleine Notizzettel wirken – direkt, klar und mit einer Hook, die sich an den Alltag heftet. Am Ende ist hier ein Album über das Erwachsenwerden in Echtzeit entstanden: Es geht um Freundschaft, Brüche, Hoffnung sowie diese „Sag’s mir schonungslos“-Augenblicke zwischen zwei Menschen, die sich gut kennen und einander trotzdem immer wieder neu lesen müssen. HE/RO halten diese Stimmung fest, ohne sie zu überladen. So, als würdest du beim Hören neben ihnen sitzen, während sie dieselbe Geschichte aus zwei Richtungen beleuchten. Eben unter „VIER AUGEN“.