Durch die Blume

Durch die Blume

Nicht selten wirkt Pop am stärksten, wenn er mit leisen Tönen beginnt. SOPHIAs „Durch die Blume“ ist buchstäblich ein solches Album: Es hält seine Gefühle nicht wie Trophäen hoch, es trägt sie wie etwas Zerbrechliches durch den Tag. Die Sängerin und Komponistin singt, als würde sie mit dir am Küchentisch sitzen – nahbar, zugewandt und mutig. Die Songs umkreisen große Themen wie Zweifel und Aufbruch, bleiben dabei aber im Kleinen verankert. Die Dramaturgie entfaltet sich wie ein Wetterwechsel. Da ist „Regen“, der eher reinigt als runterzieht; da sind Funken wie in „Alles in Flammen“, die kurz das ganze Innenleben ausleuchten; da ist „Träne“, die Pathos vermeidet und trotzdem trifft. Und dann gibt es mit „Träum weiter“ ein gemeinsames Kapitel mit KAYEF, das sich anfühlt wie zwei vertraute Stimmen auf einem nächtlichen Heimweg. Auf ihrem dritten Studioalbum schärft SOPHIA ihre Handschrift: weniger große Gesten, mehr Präzision im Blick. Es ist diese Fähigkeit, Schmerz und Hoffnung gleichzeitig im selben Satz stehen zu lassen, ohne daraus eine Schlagzeile zu machen. Selbst wenn es hymnisch wird, bleibt die Bodenhaftung. Im Kern erzählt „Durch die Blume“ von der Kunst, Dinge direkt auszusprechen, wenn man lange gelernt hat, sie hübsch zu verpacken. Es geht um Nähe, die Arbeit kostet, um Abschiede, die sich erst später als solche zeigen, und um Hoffnung, die nicht wie ein Feuerwerk daherkommt, sondern eher wie ein Licht, das man abends im Flur anlässt. Am Ende bleibt der Eindruck, dass hier eine Tür einen Spalt geöffnet wird – und genau dieser Spalt reicht, damit es im Raum heller wird.