Prizefighter

Prizefighter

Mumford & Sons hören in letzter Zeit oft, dass sie besser in Form sind denn je. „Wir waren mit einem Freund unterwegs“, erzählt Marcus Mumford im Gespräch mit Zane Lowe von Apple Music. „Er kam zu einer unserer Shows und meinte, es habe sich nie besser angefühlt.“ So denken auch die Bandmitglieder selbst: „Ich habe den Eindruck, wir sind genau an diesem Punkt angekommen“, sagt Mumford. „Und es macht richtig Spaß.“ In den Jahren vor dem 2025er-Album „RUSHMERE“ – ihrem ersten nach sieben Jahren – haben Mumford & Sons viel Selbstreflexion betrieben. In dieser Zeit verließ der Banjospieler Winston Marshall die Band nach einer kontroversen Äußerung, die viel Kritik nach sich zog. Doch statt sich weiter von den Mühen ihrer mittleren Karrierejahre bremsen zu lassen, beschlossen die Musiker, mit frischer Energie durchzustarten – so, als wäre die Band neu gegründet worden. Und „RUSHMERE“ war der Funke, der dieses Feuer wieder entfachte. Nach den Aufnahmen sprühte man nur so vor weiterer Kreativität: „Es war, als hätten wir unsere Eheversprechen erneuert“, erklärt Mumford. „Dann dachten wir: ‚Jetzt schreiben wir unsere besten Songs überhaupt.‘“ „Prizefighter“, das sechste Album von Mumford & Sons, erschien dann weniger als ein Jahr nach „RUSHMERE“ und entstand direkt im Anschluss an die Sessions. „Deshalb haben wir es ‚Prizefighter‘ genannt“, fügt der Frontmann hinzu. „Wir wollten zurück zu dem Ehrgeiz, der harten Arbeit und der kompromisslosen Energie, mit denen wir damals angefangen haben.“ Wären Mumford & Sons nicht in Bestform gewesen, hätten sie das kaum geschafft. „Prizefighter“ entstand in zehn produktiven Tagen im Long Pond Studio von Aaron Dessner im Norden des US-Bundesstaates New York. Mumford bezeichnet den Co-Produzenten des Albums augenzwinkernd als „coolstes Indie-Kid der Welt“ – und zugleich als „kreatives Genie“. Diese Songs tragen die Euphorie des Moments in sich: von den sanft schwingenden Americana-Grooves des Openers „Here“ über die sehnsuchtsvollen Hooks von „The Banjo Song“ bis hin zur zurückgefahrenen, introspektiven Ballade „I’ll Tell You Everything“. Hier ist ein Album entstanden, das eventuelle Fehler im ersten Take nicht kaschiert. Es wird keine Perfektion angestrebt, sondern vielmehr darauf abgezielt, die Wärme im Raum einzufangen. Auf „Prizefighter“ spürt man außerdem eine Atmosphäre von Gemeinschaft, die Gäste willkommen heißt. So sind Team‑ups mit Chris Stapleton, Hozier, Gigi Perez und Gracie Abrams zu hören. Die Band hat sich also nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht. „Es fühlt sich an wie ein Neuanfang“, betont Mumford. „Wir probieren Dinge aus, für die wir bisher keine Gelegenheit hatten. Ich glaube nicht, dass wir schon alles gesehen haben. Die Zusammenarbeit mit Künstler:innen, die etwas jünger sind oder klanglich andere Wege gehen, ist wie das Schärfen unserer kreativen Werkzeuge. Ich hoffe, dass wir diesen Ansatz im Studio auch in Zukunft beibehalten.“