Dunkle Magie

Dunkle Magie

Weniger Kitsch, mehr Gefühl – und Musik wie ein Wintertraum. Statt sich im modernen Glitzer der Feiertage zu verlieren, tastet sich Ohels Weihnachtsalbum behutsam an jene Empfindungen heran, die man als Kind kannte: Sehnsucht, Staunen, den Glauben an Magie. Der Opener zeichnet diese Erinnerung mit filigranen Klaviertönen nach und stellt die Frage, warum der Zauber mit den Jahren verblasst. Es ist ein Track, der pure Nostalgie ebenso versprüht wie leise Konsumkritik. In „Es schneit“ gelingt eine Art akustische Zeitlupe: Die Winteraufnahme wirkt nicht idyllisch, sondern ehrlich. Besonders hell funkelt das Album „Dunkle Magie“, wenn Gäste eingeladen sind: Tristan Brusch verleiht „Bad Cannstatt“ eine warme, erzählerische Tiefe. Und die markante Stimme von Stella Sommer, Frontfrau von Die Heiterkeit, lässt „Zärtlich werd ich dich verlassen“ wie einen glorreichen Vintage-Fund aus den 1960er-Jahren klingen. Dazwischen überraschen Instrumentalstücke, jazzige Bläser oder – wie im Andachtsjodler „Pobozno Jodlanje“ – balkanangehauchte Ecken. Neuinterpretationen wie „Das Fest“ oder „Die Arbeit des Frühlings“ zeigen zudem, wie gut Oehls Songs atmen können, wenn man ihnen jede elektronische Opulenz nimmt. Selbst die wenigen wirklichen Weihnachtslieder – „Maria durch ein Dornwald ging“ und „Alle Jahre wieder stille Nacht“ – erleben eine Auffrischung, die zeitlos wirkt. Denn mit reduzierten Arrangements, analoger Wärme und klaren Texten lässt der Musiker mit der rauen Stimme den Zwischentönen Raum zum Strahlen. Ihm gelingt ein Werk, das nicht laut werden muss, um lange nachzuklingen.