

„Wir sind Jungs von der Straße und keine Gangster / Wollten nur ein’n Benz fahr’n, oh, Libertà / Aufgewachsen am Block, nicht in Villa / In Nike, nicht in Chinchilla, aber trotzdem hamdulillah.“ Diese Zeilen aus „SOMMERNÄCHTE.mp3“ fassen sehr gut zusammen, was die Erfolgsgeschichte von Kurdo ausmacht: Der Rapper, der als neunjähriges Kind mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland floh, berichtet seit 2014 atemlos vom Spannungsfeld zwischen Herkunft und Aufstieg, zwischen Stolz und Melancholie. „LAYLA WA LAYLA“ führt diesen Weg weiter mit warmen Melodien sowie orientalischen Schattierungen und Beats, die sowohl Härte als auch Atmosphäre zulassen. So zeigt Kurdo in „DILEMIN“ seine verletzliche Seite: „Du bist gefährlich, Dilê min, oh no / Augen wie ’ne Diebin, oh no / Rote Lippen und Parisienne, oh no / Arrogante Blicke im Spiegel, oh no.“ Neben diesen softeren, melodischen Stücken stehen die straighteren Tracks wie „CAPTAIN“ oder „NAHOST MANIEREN“, die den klassischen Kurdo-Sound fortschreiben und in direkten Worten selbstbewusst von der Straße berichten. Knapp, aber präzise ist die Gästeliste: So hören wir mit Zuna, Dardan und Nimo drei der wohl aktuell besten Protagonisten im Deutschrap. Interessant ist zudem, dass Kurdos Musik immer eine zweite Ebene besitzt. Zeilen wie „An der Wand, wo der Bulle uns kontrolliert, steht ,Kurdistan Liberté‘“ oder „Europa macht uns zu Tieren“ sind auch gesellschaftlich zu lesen. Der Satz „Scheiß’ drauf, wer grad Beef hat / Hab’ überlebt in Nordirak“ hingegen ist ein schöner Seitenhieb auf das Gepolter im Hip‑Hop-Game. Zusammen ergibt all das ein Album, das vertraut klingt und dennoch eine neue Offenheit zeigt.