Ich lieb mich, ich lieb mich nicht

Ich lieb mich, ich lieb mich nicht

„Man findet irgendwie mehr zu sich”, erzählt Nina Chuba im Gespräch mit Apple Music über ihr zweites Album und jene Gefühlswelten, die sich auftun, wenn man in den Zwanzigern ist. „Ich persönlich entdecke meine weibliche Seite mehr, aber man hat trotzdem diese Unsicherheiten und ist oft zerrissen. Man geht neue Wege, findet neue Leute, verliert Leute“. Wo ihr Debütalbum „Glas“ (2023) zwischen viralen Hymnen und verletzlichen Balladen pendelte, zieht sie diesmal die komplette Bandbreite durch: Rage und Melancholie, Pop und Indie-Charme, Rap-Flow und Bossa-Nonchalance. „Inspiriert war ich von verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen, aber eben auch von selbst Erlebtem und von den Geschichten meiner Freund:innen. Das versuche ich dann immer alles zu verpacken und zu meinem Eigenen zu machen“, erklärt Chuba. Der Titelsong liege ihr wegen des Mitwirkens von Inga Humpe besonders am Herzen: „Ich bin Riesenfan von ihr und von dem, was sie in die deutsche Musikszene gebracht hat. Sie ist ein starkes weibliches Vorbild für mich. Ich hab mich ganz doll gefreut, dass wir zusammen diesen tollen Song geschrieben haben. Ein sehr schönes Aufeinandertreffen.“ Chubas 19 Tracks wirken wie ein Selbstporträt im Entstehen – direkt, widersprüchlich, aufregend und voller klanglicher Kontraste. Mal krachen Gitarren, mal tragen sanfte Synthies, ihre Stimme indes bleibt stets das Zentrum. In „Unsicher“ habe sie versucht, ihr Innerstes und ihre Zerrissenheit nach außen zu kehren und ganz transparent zu erzählen, wie sie sich fühle: „Diese Widersprüche, die ich in mir sehe. Und wo ich vielleicht mit manchen Dingen noch nicht so zufrieden bin und denke, ich könnt’s besser machen.“ Sie sei froh, damit Anklang bei vielen Menschen in jedem Alter gefunden zu haben: „Schön, einen Song zu haben, der sagen soll, dass man ein bisschen netter zu sich sein soll – weil wir alle ja zum ersten Mal leben.“ Neben diesen zarten Momenten singt sie sich in Tracks wie „Fahr zur Hölle“ lautstark den Frust von der Seele. „Das war auf jeden Fall eine extrem schwere Geburt. Ich hab diesen Song eigentlich in einer ersten Session mit [Producer] Flo [August] runtergeschrieben. Der Chorus war schon da, aber wir haben irgendwie monatelang nach einem zweiten Chorus gesucht, der das alles vielleicht noch besser knacken könnte“, erinnert sich Chuba. Am Ende entstanden gut zehn Versionen von verschiedenen Drops – und die Musikerin ist sich bis heute nicht ganz sicher, ob die richtige auf dem Album gelandet ist. Unsicherheiten klar ansprechen, ehrlich zu sich selbst sein und dabei ganz große Popmomente liefern – das kann Nina Chuba eben.