

Große Emotionen, scharfe Beobachtungen und ein Augenzwinkern im richtigen Moment: Selten zeigt sich lässiger Deutschpop so selbstironisch, während das Herz springt, stolpert und gegen die Wand läuft. Mit „Melodrama“ gelingt LINA genau das – eine intime und zugleich herrlich überzeichnete Gefühlswelt, ohne dabei in Melodramatik abzurutschen. Das Album wirkt wie eine Mischung aus persönlichem Tagebuch und universeller Bestandsaufnahme der Liebe. Mit entwaffnender Ehrlichkeit treffen flirtende Momente auf leise Zweifel, Euphorie auf fragile Gedanken und bittersüße Schüchternheit auf dominierendes Selbstbewusstsein. Letzteres bringt die Sängerin in „Wieder da“ mit präziser Stimme, fingerschnippenden Beats und klaren Worten auf den Punkt. Songs wie „Liebst mich“ spielen mit emotionalen Machtverhältnissen, wirken süß oder leicht überdreht und sind dabei in feinen Humor getaucht. Doch es geht auch schwelgerisch zu: „24/7“ schwebt zwischen Tagtraum und Verlangen, klingt nach Sommerluft, Poolwasser und dem Wunsch, sich in einer Fantasie einzurichten. Bei nachdenklichen Stücken, etwa „Sie weiß (Betty Draper)“, wird der Ton klarer: kühl, direkt, fast beobachtend – eine erwachsene Perspektive auf Beziehungen, getragen von reduzierter Produktion und spürbarer Haltung. Das Duett „Vanille“ mit Dominik Hartz bringt durch Disco-Glanz eine prickelnde Spannung ins Spiel, während „Für immer“ das Tempo herausnimmt und mit Klavier, Raum und verletzlicher Stimme lange nachhallt. Am Ende bleibt das Gefühl, etwas Echtem gelauscht zu haben: Funkelnde Musik, die Nähe zulässt, sie mit Stil, Sinnlichkeit und Sarkasmus in Szene setzt – und genau darin ihre Stärke findet.