Before The World Blows

Before The World Blows

„Ich möchte einen Raum schaffen, in dem Menschen Dinge erschaffen und hören können, die musikalisch, magisch und originell sind“, erzählt Erykah Badu im Gespräch mit Apple Music. „[Alchemist] schickte mir eine Handvoll Beats und eine Weile lagen die nur herum. Ich weiss nicht, woher ich wusste, dass die Zeit reif war, aber die Musik hat mich wirklich motiviert.“ Und das war der Startschuss für eines der entspanntesten und zugleich bedeutendsten Team‑ups im modernen Hip‑Hop. „Before the World Blows“ ist mehr als nur das Zusammentreffen kreativer Köpfe. Es ist ein Best‑of zweier wahrer Visionär:innen – Künstler:innen, die sich seit über 30 Jahren am Rande des Mainstreams bewegen und dabei immer ihr eigenes Ding machen. Es ist auch Badus erstes Album seit mehr als 15 Jahren – ein Meilenstein in einer Karriere, die die Popmusik subtil, aber nachhaltig geprägt hat. Keiner der beiden hat sich je nach dem Takt anderer gerichtet. Stattdessen wuchs ihr Einfluss ganz allmählich, während sie sich mal im Mainstream, mal ausserhalb davon bewegten. Besonders deutlich zeigt sich das bei The Alchemist: Mitte der 2000er war er noch eine interessante Randnotiz der East‑Coast‑Rap-Szene, doch zehn Jahre später wurde er wiederentdeckt und zur ersten Wahl für raue Underground-Stimmen von Earl Sweatshirt bis Westside Gunn. (Beide sind auch hier mit von der Partie.) Badu hat dieses Projekt schon im März 2025 öffentlich angekündigt. Es bot beiden die Möglichkeit, zu lernen und zu experimentieren, wie es bei vielen ihrer anderen Zusammenarbeiten über die Jahre hinweg vielleicht nicht möglich war. „Manchmal verlieren wir den Blick fürs Wesentliche, wenn wir auf unsere Ziele und das Schaffen fokussiert sind. Da war ich vielleicht etwas schroff“, gibt Alchemist zu. „Durch sie habe ich gelernt, respektvoller und ruhiger zu sein und meine Ideen besser zu vermitteln. Wenn man so sehr auf ein Ziel hinarbeitet, denkt man über solche Dinge manchmal einfach nicht nach.“ „Bevor ich [Al] kennengelernt habe, war ich irgendwie verbissener“, ergänzt Badu. „Al hilft mir dabei, wieder etwas lockerer zu werden und mich daran zu erinnern, warum ich das eigentlich mache. Man macht das nicht für seinen grossen Moment und auch nicht, um irgendetwas zu gewinnen. Man macht es, weil man liebt, was man tut.“ Die Musik ist langsam und lässt viel Raum, ohne sich darin zu verlieren. Es gibt unglaublich viel zu entdecken, und genau darin liegt die Stärke des Albums. Viele Sounds und Ideen finden hier Platz, was jedoch nie überladen oder gehetzt wirkt: Gesangshooks, die wie Sprachnachrichten ein- und ausblenden, ein geschmeidiges E‑Piano im Stil der 70er-Jahre, Basslines mit melodischem Gewicht, Filmsamples, die sich nahtlos einfügen, und jede Menge Live-Percussion. Auf eine Art fasst das Album den Sound zusammen, den Badu und Al seit mittlerweile 30 Jahren weiterentwickeln: Es verwischt die Grenzen zwischen Hip‑Hop und R&B, dem Verführerischen und Bedrohlichen, der Direktheit des Street-Rap und der kosmischen Gelassenheit des neuen Jazz aus Los Angeles. Die Auswahl der Mitwirkenden spiegelt diesen Einfluss wider: Earl Sweatshirt auf „I Know That Man“ („Ein grossartiger Mensch“, so Badu), Thundercat auf „They Ain’t You“, der raue Westside Gunn auf „No I.D.“ und der samtig-smooth klingende Steve Lacy auf „To the Moon“. „Crossfade“ ist ein Highlight. Dasselbe gilt für „Love Me Not“ mit der Zeile „Now in hindsight I think it happen kinda subtle / He only wanna fuck, but I really wanna cuddle“ („Im Nachhinein betrachtet passierte es ziemlich subtil / Er will nur ficken, aber ich will kuscheln“) sowie für das beeindruckende Doppel von „I Know That Man“ und „Black Box“, deren Chöre und Saxofone – angeführt von Kamasi Washington – in ein majestätisches Finale übergehen. Der Titel des Albums deutet auf eine Apokalypse hin, aber die Weltuntergangsstimmung half Badu dabei, das Projekt fertigzustellen. „Ich glaube, die Idee kam mir beim Scrollen und Doomscrolling. Überall stand: ‚Oh, das Wetter macht das, und das wird jenes verursachen, und diese Person wird jetzt die Macht übernehmen, und das wird passieren‘, und einfach – all die Dinge, die passieren“, sagt sie. „Ich dachte mir: ‚Verdammt, der ganze Scheiss geht irgendwann hoch. Vielleicht sollten wir dieses Album fertigstellen, bevor die Welt untergeht.‘“