

Seit den frühen 2010er-Jahren führt Trent Reznor ein Doppelleben: Während er weiterhin mit seinen Industrial-Rock-Provokateuren Nine Inch Nails durch die großen Arenen der Welt tourt, hat er sich – gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Atticus Ross – als preisgekrönter Soundtrack-Komponist für prestigeträchtige Kinoproduktionen wie „The Social Network“ und „Challengers – Rivalen“ neu erfunden. Doch „TRON: Ares“ – der lang erwartete dritte Teil der futuristischen Sci-Fi-Saga von Disney – ist der erste Soundtrack von Reznor und Ross, der unter dem Namen Nine Inch Nails erscheint. Und tatsächlich passt diese Fusion perfekt: Als Projekt, das stets von der brutalen Spannung zwischen Mensch und Maschine gelebt hat, sind Nine Inch Nails wie geschaffen für die gleißende Vision einer außer Kontrolle geratenen KI in „TRON“. Außerhalb des filmischen Kontexts wirkt „TRON: Ares“ wie ein weiterer Teil der experimentellen „Ghosts“-Albumreihe von NIN – eine ausufernde 24-Track-Collage aus verträumten Piano-Interludes („Echoes“), Lo-Tech-Techno („This Changes Everything“), opulenten Sci-Fi-Synthphonien im 70er-Stil („100% Expendable“), aufregender Dramatik („Daemonize“) und unglaublichen Avantgarde-Electronic-Ausbrüchen („New Directive“). Gleichzeitig hebt sich „TRON: Ares“ deutlich von den bisherigen Filmprojekten des Duos ab. Das liegt vor allem an einigen von Reznor angeführten stroboskopgeschwängerten Songs („As Alive As You Need Me To Be“, „Shadow Over Me“), die auch mühelos in den klassischen NIN-Kanon der 1990er passen würden. Und dann sind da noch diese unheimlichen Momente, in denen Reznors Rollen als Frontmann und Klangarchitekt ineinanderfließen. So ist „Who Wants To Live Forever?“ ein entwaffnend zartes Duett, getragen von einer verspielten Keyboardmelodie, die klingt, als würde sie aus dem Kinderzimmer eines schlafenden Babys herüberwehen. Trent Reznor und Atticus Ross beweisen einmal mehr, dass sie nicht nur die Grenzen zwischen Film- und Musikwelt, sondern auch zwischen Vergangenheit und Zukunft meisterhaft zu überschreiten wissen.