Billy Talent II

Billy Talent II

Von wegen „Stille Nacht für den Rest meines Lebens“: 2006 brachen Billy Talent mit Karacho durch die Wand und lieferten nicht einfach nur ihr zweites Album ab. Sie bewiesen auch, dass Rock aus ihrer kanadischen Heimat international größer, schärfer und hymnischer klingen konnte als vieles, was damals aus den Boxen dröhnte. Die Songs auf „Billy Talent II“ transportieren Botschaften, die heute genauso relevant sind wie damals. Schon der Opener „Devil In a Midnight Mass“ rammt die Tür auf: nervöse Gitarren, treibende Drums, Ben Kowalewicz’ unverwechselbare Stimme zwischen Wut, Schmerz und Alarmzustand. Danach schaltet „Red Flag“ die Sirene auf Dauerbetrieb: ein Song wie ein Aufruf, nicht länger zuzusehen, nicht länger stillzuhalten, nicht länger so zu tun, als ginge einen das alles nichts an. Mit „Billy Talent II“ offenbarten die Punkrocker aber auch ihre melodische Seite. In „Fallen Leaves“ wird aus einer eingängigen Melodie ein düsteres Szenario voller Absturz, Suche und Verlorenheit. „Surrender“ zeigt die Band verletzlicher, ohne dabei an Kraft zu verlieren. Und „This Suffering“, „Worker Bees“ sowie „Pins and Needles“ beweisen, wie präzise Billy Talent Härte, Melodie und Haltung miteinander verzahnen. Das Album ist laut, kantig und ungeduldig. Doch unter jedem Riff verbirgt sich ein Gefühl: Wut über Ungerechtigkeit, Angst vor Kontrollverlust, Sehnsucht nach Ausbruch. Genau deshalb reißt „Billy Talent II“ auch nach zwei Jahrzehnten noch genauso mit wie am ersten Tag.

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