

„Der Junge, der Hoffnung verlor, ist heute ein Star“: Diese Worte rappt Luciano auf dem Intro des Albums, kurz später ergänzt er: „In meiner Familie versteckte fast jeder die Tränen.“ Beide Sätze sind zentral für ein Werk, das eigentlich zwei Geschichten erzählt. Zunächst einmal stellt „Unlock“ gleich am Anfang den Mann vor, der seit 2017 sieben Alben in den deutschen Charts positionieren konnte und es 2024 mit „Seductive“ sogar ganz an die Spitze schaffte. Auch im weiteren Verlauf blickt er immer wieder auf seine Biografie. Er erwähnt das Aufwachsen in der Hochhaussiedlung. Wunden, Zweifel, den Vater und die Mutter. Am bewegendsten: „Leave it“, ein melancholischer Track, der aus jener Einsamkeit heraus berichtet, die ihn direkt vor einem Konzert im Backstageraum überfällt. Gleichzeitig gibt Luciano den Deutschrap-Fans das, was sie eben auch wollen: Er erzählt in „Expensive“ vom „Rockstar-Film“, den er lebt, und skizziert Hedonistengeschichten von Drinks an Palmenstränden, Ferrarifahrten und Reisen im Privatjet, kurzum: vom Erfolg. „Fühl mich so wie 50 Cent, eine fucking Living Legend“, heißt es etwa in „Pole Position“. Auf 27 Tracks gelingt es Luciano dabei, das Spannungsfeld zwischen diesen beiden erzählerischen Leitplanken auszuleuchten. Er tut das, indem er in einen kohärenten Flow immer wieder Spitzen setzt. Da ist einmal der samplegeschwängerte und an Drill und Afrobeats geschulte Sound, für den sich unter anderem der Luciano-Fans bestens bekannte madein2k verantwortlich zeichnet. Dazu kommen die Features: „Starboy“ Jazeek ist im entspannten „Effizient“ am Start, DYSTINCT aus Amsterdam steuert seinen Part zu „Miami“ bei. Shiva verleiht „Pretty Woman“ ein bisschen Italo-Feeling, während Tayc eine gute Portion französischen Flavour in „To The Sky“ pumpt. Im starken „Medicine“ gastiert Oxlade aus Lagos, und das treibende „Rich Forever“ kommt mit Young Adz. Eine musikalische Weltreise also – und vielleicht liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis des Musikers aus Bautzen: Mühelos erschafft er aus Themen, Sounds und Acts, die man nicht unbedingt zusammenbringen würde, ein stringentes Gesamtkunstwerk. Luciano ist eben nicht nur der „King Of Germany“, wie es einmal heißt. Mit diesem Album beweist er erneut, dass er ohne Weiteres international an der Spitze mitspielen kann.