Spanischsprachiger Pop

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Spanischer Pop klingt in unseren Ohren oft besonders schmalzig. Aber man sollte ihn nicht unterschätzen. Die berühmteste Pop-Band aller Zeiten The Beatles zeigte, dass Pop auch künstlerisch wertvoll sein kann, und auch Andy Warhol reklamierte Pop als Kunstform. Gleiches gilt für die spanischsprachigen Popsongs, die oft mehr sind als oberflächliche Eintagsfliegen und vielfältige kulturelle Einflüsse zu bieten haben. Auch hier gibt es die Bandbreite von der billigen Schnulze über musikalisch und textlich anspruchsvolle Lieder bis zum politisch aufgeladen gegenkulturellen Popsong. Die Haupteinflüsse kamen aus den Entwicklungen im Mutterland der Popmusik, den USA bzw. Großbritannien, allerdings zunächst über lateinamerikanische Bands, die den Trend früher aufgegriffen hatten: In den frühen 1960ern entwickelte sich auch in Spanien eine Rock 'n' Roll- und eine Beat-Szene mit Bands wie Los Brincos oder Fórmula V. International bekannt wurden Los Bravos (mit deutschem Sänger und französischem Produzenten) und ihrem Hit „Black Is Black“. Die Franco-Diktatur unterdrückte diese Musik jedoch weitgehend, auch wenn die Beatles 1965 in Madrid spielten. Sie fürchtete die aufmüpfigen jungen Menschen. Nach dem Sturz der Diktatur und angeregt durch die neuen Entwicklungen in den USA und Großbritannien entwickelte sich in den späten 1970ern eine gegenkulturelle Popszene mit Punk- und New-Wave-Einflüssen, besonders in der „Movida Madrileña“, der Madrider Bewegung, einer Kunstszene, zu der auch Regisseure wie Pedro Almodóvar oder der Graffiti-Künstler Muelle gehörten. Zu den bekanntesten Bands gehörte Radio Futura, die 1989 zur besten spanischen Band der 1980er gekürt wurde. Auch die Mainstream-Pop-Szene blühte auf mit Stars wie Julio Iglesias, der 1978 einen Vertrag mit CBS unterschrieb und so auch international bekannt wurde. Seit den späten 1990ern kommen immer mehr Popsänger aus den auch in Spanien populären Castingshows. Viele Interpreten konnten auch in Lateinamerika und international Erfolge feiern, wie auch Enrique Iglesias, der Sohn von Julio Iglesias, und bedienten sich mitunter lateinamerikanischer Stile wie Bachata.