

Manche Alben definieren eine Karriere, andere frieren einen Moment ein. „Under The Mistletoe“, Justin Biebers erstes Weihnachtsalbum, macht beides auf einzigartige Weise. Es ist mehr als nur eine Sammlung festlicher Coverversionen. Es ist eine akustische Zeitkapsel aus dem Jahr 2011, die den Teenager-Superstar in einem seltenen Zustand der ungefilterten, fast schüchternen Freude zeigt, bevor der Sturm des weltweiten Ruhms und des Erwachsenwerdens einsetzte. Das Geniale des Albums liegt in seiner Balance. Bieber und sein Team verstehen es, diese Intimität mit großer, traditioneller Weihnachtsfreude zu verweben. Die Duette sind dabei keine bloßen Staraufgebote, sondern sorgsam gewählte Kontrapunkte. „The Christmas Song (Chestnuts Roasting On An Open Fire)“ mit seinem Förderer USHER strahlt eine warme, mentorenhafte Ruhe aus, eine musikalische Weitergabe der R&B-Tradition. „Fa La La“ mit Boyz II Men ist eine Hommage an den harmonischen, superglatten 1990er-R&B, der Biebers Stimme geschickt in einen zeitlosen Kontext setzt. Der vielleicht bewegendste Moment ist „Pray“, eine originelle Ballade, die über die Festtage hinausweist. Eingebettet in Glöckchen und Chöre, erinnert sie daran, dass das Album in einer Welt entstand, in der der junge Bieber begann, seine Plattform für etwas Größeres zu nutzen. Sie ist ein Hinweis auf die Komplexität, die unter der Oberfläche lauerte. Die klassischen Cover – von „All I Want For Christmas Is You“ mit Mariah Carey, der Königin der Weihnachtssongs höchstpersönlich, bis zum jubelnden „Santa Claus Is Coming To Town“ – sind makellos produziert und voller energiegeladener Begeisterung. Sie zeigen den Handwerker, der Hits liefern kann. Doch die Magie von „Under The Mistletoe“ entsteht in den Zwischenräumen: im lächelnden Tonfall, in der ehrlichen Andacht von „Silent Night“, in der unverhohlenen Romantik des Titelsongs. Heute klingt „Under The Mistletoe“ wie das reine, optimistische Herz eines Teenagers, festgehalten im warmen Schein der Weihnachtslichter: ein junges Talent, das für einen Moment einfach nur froh ist, genau dort zu sein, wo es gerade ist.