

Sechs Minuten. Darunter machen es Long Distance Calling nicht, sieht man vom eher als Einführung dienenden Opener „Mare“ ab. Nun ist der Hang zur Überlänge bei der 2006 gegründeten Band nichts Neues. Hier trifft er jedoch auf einen scheinbaren Gegenpol: Mit lediglich sieben Titeln ist „The Phantom Void“ insgesamt sehr ökonomisch angelegt. Ein cleverer Schachzug, der das Talent der Münsteraner für passgenaue Atmosphären unterstreicht. Deren Bandbreite wird bereits in den ersten beiden richtigen Tracks skizziert. In „The Spiral“ preschen die Drums voran, dann übernimmt ein so präzise wie eigen wirkendes Gitarrenspiel und gewinnt mit der Zeit an Intensität. Der Song schöpft seine Energie aus Wiederholung, stellt diese zugleich immer wieder infrage und bezieht sich sowohl auf Progressive als auch auf Krautrock. Er weiß aber ebenso um die Bedeutung von Psychedelic und kann beides: schleichen sowie explodieren. Demgegenüber steht „A Secret Place“. Hier entwickelt die Band langsamere Dramaturgien, öffnet Räume, in denen sich Klang entfalten darf, und geht insgesamt sparsamer zu Werke. Die beiden Songs setzen den Ton. Sie zeichnen Umrisse, die in der folgenden halben Stunde ausgefüllt werden. Dass die verwendeten Nuancen irgendwo zwischen Schwarz und Dunkelgrau pendeln, wird für niemanden eine Überraschung sein. Aber auch dort, wo nie die Sonne scheint, herrscht Vielfalt. Es macht Spaß, dieser Band dabei zuzuhören, wie sie in die verschiedensten Gefühlszustände – in Härte, Melancholie, Angst und Zuversicht – abtaucht. Der Titel des letzten Tracks lautet schließlich „Sinister Companion“. Und ganz ehrlich: Eine solche unheimliche Begleitung hat man gerne an der Seite.