

„This is a tale about revenge and what lengths a woman will go to get hers“ – das ist eine Geschichte über Rache und darüber, wie weit eine Frau dafür geht. Mit dieser blutschwangeren Ankündigung in Jamie Foxx’ kehligem Bariton und mit Mundharmonika-Klängen untermalt, beginnt nicht etwa der neueste Sommer-Blockbuster, sondern Shaboozeys viertes Studioalbum. „The Outlaw Cherie Lee & Other Western Tales“ ist so gar nicht das, was man als Nächstes von dem Country-Star erwartet hätte. Statt beim Erfolgssound seiner Durchbruchsingle „A Bar Song (Tipsy)“ zu bleiben, präsentiert Shaboozey ein echtes Konzeptalbum. Dafür hat er eine sonnenverbrannte, düstere Welt erschaffen, in der sich Heldin Cherie Lee an den Bootcut Boys rächen will – einer Outlaw-Bande, die ihren Vater, den Sheriff, ermordet hat. Das verlangte nach einem völlig neuen Ansatz: Noch bevor Shaboozey und sein Team auch nur eine einzige Note aufschrieben, verfassten sie ein Drehbuch und eine Graphic Novel. „An manchen Stellen der Story bekam ich beim Lesen richtig Gänsehaut“, verrät der Musiker im Gespräch mit Apple Music. Seine langjährige Faszination für Murder Ballads und Outlaw-Country zeigt sich überall: Vielschichtige Instrumente, wehmütiges Gitarrenzupfen und einsame Mundharmonika-Solos erwecken Cherie zum Leben und unterstreichen den rebellischen Charakter des Albums. „Ich ziehe enorm viel Kraft aus der Idee des Outlaws“, sagt Shaboozey und nennt große Namen wie Johnny Cash, Marty Robbins, Waylon Jennings und Willie Nelson als Inspiration. „Wenn ich deren Geschichten lese und ihre Musik höre, denke ich mir: ‚Mann, die waren irgendwie genau wie ich.‘ Sie wurden nicht immer so akzeptiert oder gewürdigt, wie man es vielleicht denken würde. Aber genau das sind die Typen, zu denen wir im Country aufschauen. Wie diese Männer wollen wir sein.“ Und doch hat der Künstler nicht sich selbst zur Hauptfigur seiner Geschichte gemacht, sondern Cherie. Das hat einen guten Grund: „Die Wahrheit ist doch, dass Frauen extrem stark sind. Ernst zu nehmende Gegnerinnen, die man nicht herausfordern sollte“, meint er. „Für mich war klar, dass nur eine Frau diese Outlaws stoppen kann.“ Die Dramatik pulsiert durch „Cherie Lee“, was nicht zuletzt an der Wucht von Shaboozeys Stimme und den hochkarätigen Features liegt, die er in seine Outlaw-Welt geholt hat. Der Kracher „Cowgirl“ ist die herausragende Single des Albums und im wahrsten Sinne des Wortes „another bar song for you and all your friends“ – also ein weiterer Bar-Song für dich und alle deine Freund:innen. Aus Hollywood ist nicht nur Foxx mit dabei: Sam Elliott, der schon so manchen schnauzbärtigen Cowboy, Banditen und Sheriff gespielt hat, tritt als polternder Gesetzeshüter auf, und Teyana Taylor ist kurz als Cherie selbst zu hören. Gunna trägt mit seinem Rap die unheilvolle Trap-Country-Hymne „High Noon“, Leon Bridges unterstützt Shaboozey beim nebulösen „Burn It Down“ und Kehlani steuert selbstgeschriebene Strophen zum romantischen Duett „Bullets & Blades“ bei. Dabei spielt Shaboozey durchgehend mit der Perspektive. In „Coyotes Point“ etwa singt er sogar aus der Sicht von Cherie Lee – oder doch nicht? „Ich will, dass die Leute beim Hören an all die Dinge denken, an die ich im Studio gedacht habe“, sagt er. „Singt er über sich selbst? Singt er über sie? Es gibt nicht die eine richtige Art, dieses Album zu betrachten oder anzuhören. Man kann sich sozusagen sein ganz eigenes Abenteuer aussuchen.“