

Nur die kältesten Herzen blieben unberührt, als Lewis Capaldi Ende Juni 2025 die Pyramid Stage in Glastonbury betrat. Auf derselben Bühne hatte der Singer-Songwriter zwei Jahre zuvor in einem bewegenden Auftritt offen über seine Angstzustände und sein Tourette-Syndrom gesprochen. Capaldi war damals einer der größten Popstars Großbritanniens, geschätzt für sein entwaffnendes Selbstbewusstsein ebenso wie für seine Trennungsballaden. Trotzdem zog er sich kurz darauf aus dem Showgeschäft zurück, um sich um seine Gesundheit zu kümmern. Glastonbury 2025 markierte seine Rückkehr ins Rampenlicht. Im Rahmen eines Überraschungsauftritts präsentierte er den neuen Song „Survive“. Er eröffnet die EP, die viereinhalb Monate später erschien – eine sich langsam entfaltende Pop‑Rock-Hymne voller Verletzlichkeit und Trotz. In den Strophen bekennt sich Capaldi zu seiner Zerbrechlichkeit und Hoffnungslosigkeit, im Refrain schreit er sich mit beinahe trotzigem Lebenswillen frei: „I swear to God I’ll survive/If it kills me to/I’m gonna get up and try/If it’s the last thing I do“ („Ich schwöre bei Gott, ich werde überleben / Auch wenn es mich umbringt / Ich werde aufstehen und es versuchen / Und wenn es das Letzte ist, was ich tue.“) Dazu gesellen sich auf der EP das folkige „Something In The Heavens“, das subtil zurückhaltende „Almost“ und die Piano-Ballade „The Day That I Die“, die auch das Zeug zur Stadionhymne hat. Diese Songs zeigen, dass Capaldi weiterhin ein Meister darin ist, Sehnsucht zugleich intim und universell zu formulieren. Der Kampf, trotz Herzschmerz und Verlust weiterzumachen, bleibt eines seiner zentralen Themen. Doch angesichts seines Weges zu diesen Aufnahmen klingen die neuen Tracks auch nach Aufbruch – und nach einem vorsichtigen Glücksgefühl.