15 Titel, 48 Minuten

UNSERE ANMERKUNGEN

„Ich will in euren liebsten Club-Tunes das Menschliche rüberbringen“, erklärt Jax Jones gegenüber Apple Music. „Von der Story aus betrachtet, steckt Tiefe in diesen Aufnahmen – genauso wie bei Singer-Songwritern.“ Während Jones fleißig BRIT-Awards- und GRAMMY-Nominierungen sammelte und sich in den europäischen Charts immer höher positionierte, hat sich bei ihm eine verblüffende Begabung für eingängige Melodien und animierende Dancefloor-Beats offenbart. Aber selbstverständlich weiß er auch, dass das Potenzial eines Songs vor allem von Emotionen abhängt. Auf diese Art erzählt dieser Song letztlich eine Geschichte, die lange nachwirkt. Und so erweitert der DJ „Snacks“ (2018) um sechs weitere Tracks, die eine triumphale Kollektion aus House, Pop, R&B und zahlreichen weiteren Vergnügungen bieten. Lass dich vom Londoner durch die Entstehungsgeschichten sämtlicher Songs führen.


„House Work“ (feat. Mike Dunn & MNEK)

„Ich wollte eine Ode an die House Music kreieren. Mike als absolute House-Legende auf einem deiner Alben zu haben, war einfach überwältigend. Er hat mir seine selbst aufgenommenen Vocals einfach aus den USA rübergesendet. Du kannst sogar die Tastatur hören, wenn er die Leertaste drückt, um die Aufnahme zu stoppen. Es war so unvorbereitet, hat aber funktioniert.“


„Jacques“ (with Tove Lo)

„So spielerisch einfach! Tove ist eine Vollblut-Künstlerin. Auch wenn sie an ihr Publikum denkt, denkt sie zuerst an ihre künstlerische Ausdrucksweise. Das ist bewundernswert, denn ich kümmere mich wenig darum. Es hat also Spaß gemacht, von ihr zu lernen, denn als Produzent habe ich eigentlich hauptsächlich das Publikum im Kopf. Der Basslauf ist durchweg live eingespielt. Ich habe ihn nicht quantisiert, sondern einfach so eingespielt, nachher zerstückelt und dann Schalleffekte mit geringem Hall verwendet, damit der Sound ein bisschen rauer klingt. Ich glaube, dass sich diese Herangehensweise mit Toves Verspieltheit ziemlich gut ergänzt hat. Sie meinte: ‚Meine Stimme klingt irgendwie beschissen, aber ich mag’s!‘“


„You Don’t Know Me“ (feat. RAYE)

„Allmählich wird mir bewusst, dass ich noch nie einen so gigantischen Track gemacht habe. Ich habe bis zu einem gewissen Grad Ehrfurcht vor diesem Album. Der Song selbst ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gefällt es mir, dass ich es geschafft habe, all meine Einflüsse auf einem Track zu vereinen. Hier kommt meine Liebe zum House-Underground zum Vorschein – vielleicht nicht komplett Underground, aber er enthält immerhin ein Sample von Booka Shade. Das mit einer Melodie und den R&B- und Rap-orientierten Lyrics von RAYE zu verknüpfen, ist genau mein Ding. Andererseits soll der Song auch erfolgreich sein. Im Grunde stellt das einen Produktionsansatz dar, der genauso aufrichtig wie naiv ist. Dennoch liebe ich den Song. Überall auf der Welt geht er durch die Decke.“


„Harder“ (with Bebe Rexha)

„Dieser Song zählt zu den wenigen auf dem Album, die ich nicht direkt mit dem Sänger oder der Sängerin geschrieben habe. Das hier war mein Ding, wobei sich bei der Botschaft alles um weibliches Empowerment im Schlafzimmer und in Beziehungen drehen sollte. Bebe war dafür die Idealbesetzung. Ich kenne sie schon seit Jahren, nachdem ich sie auf eine Art und Weise kennengelernt hatte, wie sie nicht typischer fürs Showbiz sein könnte. Bei einem Festival wurde ich Backstage in ihre Umkleide beordert. Sie redet sehr schnell und du bekommst das Gefühl, dass sie dir mal ordentlich die Meinung sagen will. Zum damaligen Zeitpunkt fühlte es sich also so an, als hätte sie mich gerade aus ihrer Umkleide geschmissen [lacht]. Wir sind aber in Kontakt geblieben. Sie hörte den Track, mochte ihn sofort und flog nach London, um ihn aufzunehmen. Steve Mac und Camille Purcell haben mir beim Songwriting geholfen. Steve hat mich gleich am ersten Tag vor eine Herausforderung gestellt: ‚Wie klingt’s wohl, wenn Jax Jones einen Katy-Perry-Tune produziert?‘ Ich denke, das hier ist die Antwort.“


„Ring Ring“ (feat. Mabel & Rich The Kid)

„Mabels Hartnäckigkeit gefällt mir noch mehr als ihre Stimme und ihr Talent. Viele geben gleich auf, fühlen sich persönlich angegriffen oder reagieren überemotional, doch sie richtet sich einfach auf und macht weiter. Wir hatten einen richtig lustigen, wenn auch ziemlich unproduktiven ersten Tag, an dem sie nach vielen Gesprächen bloß zu ein paar Piano-Akkorden sang und einen 30-minütigen Freestyle hinlegte. Ich wusste, dass ich den Refrain schon hatte, also musste sie bloß noch ein paar Kleinigkeiten ausbessern, während sie improvisierte. Von da an habe ich mir das, was ich brauchte, einfach zurechtgelegt. Ich bin ziemlich stolz, denn als Nächstes produzierte sie ‚Don’t Call Me Up‘ und ‚Mad Love‘ und fand ihren eigenen Sound. Es ist schon eine große Sache, wenn man Künstler ist, doch es ist nochmal etwas ganz Besonderes, einer anderen Karriere auf die Sprünge zu helfen. Sie bedeutet mir eine Menge. In der Zukunft werden wir noch mehr miteinander aufnehmen.“


„Instruction“ (feat. Demi Lovato & Stefflon Don)

„Für mich geht ein Traum in Erfüllung, wenn ich Popaufnahmen wie diese machen kann. Wenn ich mit einem Star wie Demi Lovato zusammenarbeite, dann will ich sie oder ihn auch gerne aus der Reserve locken. Sie war grandios – in der zweiten Strophe singt sie in Patois! Ich erinnere mich, wie es im Pre-Chorus ‚Armani, Moschino‘ heißt, und als sie mir ihren Take zurückschickte, betonte sie Moschino mit einem harten ‚c‘ und jemand erklärte mir, dass dies die amerikanische Aussprache sei. Ich musste ihr dann leider sagen: ‚Sorry Demi, du klingst nicht so gut. Du musst es so aussprechen, wie wir das hier [im Vereinigten Königreich] machen.’ Dann haben wir dem Cocktail noch Stefflon Don hinzufügen dürfen. Als MNEK und ich angefangen haben, ihn zu schreiben, war der Song mehr als Witz gemeint, als MNEK und ich ihn schrieben – als wäre er eine 2017er-Version von ‚Cha Cha Slide‘. Müsste ich ihn nochmal neu machen, würde ich die Choreografie im Video ändern. Ich wollte etwas völlig Einfaches, mit dem jeder etwas anfangen kann. Im Grunde muss ich jetzt ein weiteres Lied machen, zu dem man seinen Körper bewegen kann.“


„Play“ (with Years & Years)

„Olly [Alexander; Frontmann von Years & Years] und ich haben eine Menge gemeinsamer Einflüsse. Ich erinnere mich noch, dass die erste Line, mit der er ankam, ‚How long do you play me a song?‘ war. Ich musste kurz innehalten, weil ich dachte, dass er das aus einem Song von Sophie Ellis-Bextor hatte.“


„100 Times“

„MNEKs Stimme ist hier einfach nur der Wahnsinn. Ich wollte einen Club-Track machen, und daher fragte ich ihn, ob es ok für ihn ist, wenn er ungenannt bleibt – und er war einverstanden. Als MNEK den Song dann einsang, erweckte er ihn zum Leben. Momentan arbeite ich gezielt an einer Club-Version. Oh, und das Sample direkt am Anfang ist aus ‚Eyes Wide Shut‘. Dort wird gesagt: ‚I know I can’t be here, you just have to accept that.‘ Das fasst den Vibe ziemlich gut zusammen, wie ich finde.“


„Breathe“ (feat. Ina Wroldsen)

„Mit ‚Text from Your Ex‘ für Tinie Tempah hatten wir schon gemeinsamen Erfolg. Als wir also das nächste Mal zusammensaßen, haben wir für diesen Song den Refrain geschrieben. Das Ganze hat fünf Stunden und eine Flasche Wein in Anspruch genommen. Als wir den Refrain hatten, ist sie [Ina] einfach abgehauen. Ich wusste sofort, dass der Track heiß ist, also habe ich nicht nachgegeben. Sie schickte mir dann ihre Aufnahmen aus Norwegen, aber ich musste ihr sagen, dass sie zu ernst klang. ‚Niemand möchte zu solchen Lyrics tanzen, Ina!‘ Wir gerieten so sehr aneinander, dass ich nach Norwegen fliegen musste, um den Song mit ihr fertigzustellen. Auch im Studio ist sie ziemlich ernst, was wohl an der norwegischen Geradlinigkeit liegt. Es überrascht mich überhaupt nicht, dass sie die furchteinflößende Jurorin in der norwegischen Version von ‚Pop Idol‘ war. Aber sie ist eben auch ein Genie und ich konnte so viel von ihr lernen – gerade wenn es um die phonetische Kraft von Hooks geht. Mann, die sind wirklich wichtig, wenn du versuchst, dein Zeug auf der ganzen Welt unters Volk zu bringen.“


„Cruel“

„Der Track hat sich im Nachhinein als Geheimfavorit herausgestellt. Ich dachte erst, er würde der unscheinbarste auf dem Album. Ich habe ihn mit Madison Love und Brett McLaughlin geschrieben. Zusätzlich hat mir noch Mark Ralph geholfen, der wie meine rechte Hand ist. Ursprünglich hatten wir einen ziemlich poppigen Song geschrieben, doch als die Vocals hinzukamen, klang er plötzlich sehr düster. An dem Punkt wurde es spannend für mich. Es ist so ein verrücktes kleines Lied, in dem es darum geht, dass man seinen Partner schlecht behandelt – und doch klingt er irgendwie verführerisch. Das ist unser Domina-Banger. Ein sadistischer Banger.“


„All Day and Night (Jax Jones & Martin Solveig Present Europa)“ (with Martin Solveig & Madison Beer)

„Martin Solveig ist eine Ikone. Ich konnte einfach nicht glauben, dass ich in einem Studio war, wo er mir zuhörte. Doch eigentlich arbeiten wir ziemlich identisch – um richtig interessante Sounds zu kreieren, suchen wir nach dem Obskuren. Das hier ist eine Kostprobe von unserer Band namens Europa, die gerade ins Rollen kommt. Er hat mir beigebracht, wie man in Europa auflegt, denn bevor ich ihn traf, hatte ich dort keine guten Gigs. Was er macht, ist schnelllebiger. Sie haben nicht dieselbe Geschichte von House wie wir und wollen deshalb längere Hooks und massentauglicheres Material. So lernte ich, eher auf den Punkt zu kommen. Madison war das i-Tüpfelchen, doch ich erinnere mich noch daran, dass sie via FaceTime fragte, ob sie die Tonart ändern könnte. Martin meinte dann: ‚Madison, hör mal, das kannst du nicht machen. Damit veränderst du den gesamten Song. Ich habe mit Madonna ein ganzes Album aufgenommen, auf dem sie die Tonart auf jedem einzelnen Track ändern wollte. Das habe ich nicht mitgemacht. Vertrau mir bitte einfach.‘ Und genau das tat Madison.“


„One Touch“ (with Jess Glynne)

„Dieser Song bedeutet mir sehr viel. Ich wollte Jess sogar dazu überreden, ihn auf meiner Hochzeit zu singen. Als Teenager habe ich meine Rechnungen gezahlt, indem ich in einer Kirche Gitarre zu Gospelmusik spielte. Mir war es wichtig, diese Erfahrungen in einen meiner Tracks einfließen zu lassen.“


„All 4 U“

„Das bin ich, der singt! Na ja, es sind schon mehrere Stimmen. Ich habe den Song im Hot-Chip-Style produziert, sodass die Vocals mehr ein Accessoire sind und nicht im Vordergrund stehen. Das ist wirklich etwas ganz Spezielles. Wir haben den Song für einen Freund geschrieben, dessen Vater plötzlich von uns ging. In jeder Form von Dance-Musik steckt auch ein bisschen Melancholie, die jedoch sehr aufheiternd ist. Ich denke, dass wir diese Brücke mit diesem Song geschlagen haben. Es ist seltsam – einerseits emotional und ein bisschen schnulzig, andererseits kann man dazu richtig gut abgehen. Wir standen zu viert am Mikrofon und haben einfach drauflosgesungen. Es hat diesen ‚Hey Bro, schon okay, wenn du weinen musst‘-Vibe. Hinter unserer harten Schale steckt in uns allen eben doch einen ziemlich weichen Kern.“


„This Is Real“ (with Ella Henderson)

„Zieh dir das rein: Damals in Grimsby war meine Frau noch der Ellas Babysitter. Den Song habe ich mit Ella vor Jahren geschrieben, doch irgendwie hat immer irgendwas gefehlt. Ich war noch ein No-Name und sie hatte gerade ‚Ghost‘ veröffentlicht und war bei Syco unter Vertrag, die aber nicht wollten, dass sie den Track veröffentlicht. Ich habe den Song dann gemeinsam mit der Single ‚Yeah Yeah Yeah‘ (2015) Polydor vorgestellt und wurde prompt unter Vertrag genommen. Die haben dann wiederum Selena Gomez dazu überredet, ihn einzusingen – das hörte sich abgefahren an. Wirklich ein besonderer Moment: Selena in einem House-Track, sie klang wie eine Diva. So habt ihr Selena noch nie gehört – zehn Sekunden des Songs wurden geleakt und ihre Fans sind total ausgeflippt. Dann wurde es jedoch ein wenig kompliziert: Obwohl sie den Track liebte, fiel er irgendwie unter den Tisch. Das nun mit Ella zu Ende zu bringen, ist fantastisch und verdient definitiv Aufmerksamkeit auf diesem Album. Es ist so ein gewaltiger Refrain – nichts auf dem Album klingt vergleichbar. So klingt England – und genau dafür liebe ich ihn.“


„Tequila Time (Outro)“

„Hiermit will ich mich bei den richtigen Menschen bedanken, aber euch auch etwas geben, worauf ihr abgehen könnt – quasi in Form einer Entschuldigung. Es ist schwierig, Danksagungen richtig rüberzubringen, ohne dabei zu selbstverliebt zu klingen. Ich war zwar nicht so mies wie Kanye auf seinem sicher 12-minütigen ‚Last Call‘, aber ich habe auch keine krassen Storys mit JAY-Z auf Lager …“

UNSERE ANMERKUNGEN

„Ich will in euren liebsten Club-Tunes das Menschliche rüberbringen“, erklärt Jax Jones gegenüber Apple Music. „Von der Story aus betrachtet, steckt Tiefe in diesen Aufnahmen – genauso wie bei Singer-Songwritern.“ Während Jones fleißig BRIT-Awards- und GRAMMY-Nominierungen sammelte und sich in den europäischen Charts immer höher positionierte, hat sich bei ihm eine verblüffende Begabung für eingängige Melodien und animierende Dancefloor-Beats offenbart. Aber selbstverständlich weiß er auch, dass das Potenzial eines Songs vor allem von Emotionen abhängt. Auf diese Art erzählt dieser Song letztlich eine Geschichte, die lange nachwirkt. Und so erweitert der DJ „Snacks“ (2018) um sechs weitere Tracks, die eine triumphale Kollektion aus House, Pop, R&B und zahlreichen weiteren Vergnügungen bieten. Lass dich vom Londoner durch die Entstehungsgeschichten sämtlicher Songs führen.


„House Work“ (feat. Mike Dunn & MNEK)

„Ich wollte eine Ode an die House Music kreieren. Mike als absolute House-Legende auf einem deiner Alben zu haben, war einfach überwältigend. Er hat mir seine selbst aufgenommenen Vocals einfach aus den USA rübergesendet. Du kannst sogar die Tastatur hören, wenn er die Leertaste drückt, um die Aufnahme zu stoppen. Es war so unvorbereitet, hat aber funktioniert.“


„Jacques“ (with Tove Lo)

„So spielerisch einfach! Tove ist eine Vollblut-Künstlerin. Auch wenn sie an ihr Publikum denkt, denkt sie zuerst an ihre künstlerische Ausdrucksweise. Das ist bewundernswert, denn ich kümmere mich wenig darum. Es hat also Spaß gemacht, von ihr zu lernen, denn als Produzent habe ich eigentlich hauptsächlich das Publikum im Kopf. Der Basslauf ist durchweg live eingespielt. Ich habe ihn nicht quantisiert, sondern einfach so eingespielt, nachher zerstückelt und dann Schalleffekte mit geringem Hall verwendet, damit der Sound ein bisschen rauer klingt. Ich glaube, dass sich diese Herangehensweise mit Toves Verspieltheit ziemlich gut ergänzt hat. Sie meinte: ‚Meine Stimme klingt irgendwie beschissen, aber ich mag’s!‘“


„You Don’t Know Me“ (feat. RAYE)

„Allmählich wird mir bewusst, dass ich noch nie einen so gigantischen Track gemacht habe. Ich habe bis zu einem gewissen Grad Ehrfurcht vor diesem Album. Der Song selbst ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gefällt es mir, dass ich es geschafft habe, all meine Einflüsse auf einem Track zu vereinen. Hier kommt meine Liebe zum House-Underground zum Vorschein – vielleicht nicht komplett Underground, aber er enthält immerhin ein Sample von Booka Shade. Das mit einer Melodie und den R&B- und Rap-orientierten Lyrics von RAYE zu verknüpfen, ist genau mein Ding. Andererseits soll der Song auch erfolgreich sein. Im Grunde stellt das einen Produktionsansatz dar, der genauso aufrichtig wie naiv ist. Dennoch liebe ich den Song. Überall auf der Welt geht er durch die Decke.“


„Harder“ (with Bebe Rexha)

„Dieser Song zählt zu den wenigen auf dem Album, die ich nicht direkt mit dem Sänger oder der Sängerin geschrieben habe. Das hier war mein Ding, wobei sich bei der Botschaft alles um weibliches Empowerment im Schlafzimmer und in Beziehungen drehen sollte. Bebe war dafür die Idealbesetzung. Ich kenne sie schon seit Jahren, nachdem ich sie auf eine Art und Weise kennengelernt hatte, wie sie nicht typischer fürs Showbiz sein könnte. Bei einem Festival wurde ich Backstage in ihre Umkleide beordert. Sie redet sehr schnell und du bekommst das Gefühl, dass sie dir mal ordentlich die Meinung sagen will. Zum damaligen Zeitpunkt fühlte es sich also so an, als hätte sie mich gerade aus ihrer Umkleide geschmissen [lacht]. Wir sind aber in Kontakt geblieben. Sie hörte den Track, mochte ihn sofort und flog nach London, um ihn aufzunehmen. Steve Mac und Camille Purcell haben mir beim Songwriting geholfen. Steve hat mich gleich am ersten Tag vor eine Herausforderung gestellt: ‚Wie klingt’s wohl, wenn Jax Jones einen Katy-Perry-Tune produziert?‘ Ich denke, das hier ist die Antwort.“


„Ring Ring“ (feat. Mabel & Rich The Kid)

„Mabels Hartnäckigkeit gefällt mir noch mehr als ihre Stimme und ihr Talent. Viele geben gleich auf, fühlen sich persönlich angegriffen oder reagieren überemotional, doch sie richtet sich einfach auf und macht weiter. Wir hatten einen richtig lustigen, wenn auch ziemlich unproduktiven ersten Tag, an dem sie nach vielen Gesprächen bloß zu ein paar Piano-Akkorden sang und einen 30-minütigen Freestyle hinlegte. Ich wusste, dass ich den Refrain schon hatte, also musste sie bloß noch ein paar Kleinigkeiten ausbessern, während sie improvisierte. Von da an habe ich mir das, was ich brauchte, einfach zurechtgelegt. Ich bin ziemlich stolz, denn als Nächstes produzierte sie ‚Don’t Call Me Up‘ und ‚Mad Love‘ und fand ihren eigenen Sound. Es ist schon eine große Sache, wenn man Künstler ist, doch es ist nochmal etwas ganz Besonderes, einer anderen Karriere auf die Sprünge zu helfen. Sie bedeutet mir eine Menge. In der Zukunft werden wir noch mehr miteinander aufnehmen.“


„Instruction“ (feat. Demi Lovato & Stefflon Don)

„Für mich geht ein Traum in Erfüllung, wenn ich Popaufnahmen wie diese machen kann. Wenn ich mit einem Star wie Demi Lovato zusammenarbeite, dann will ich sie oder ihn auch gerne aus der Reserve locken. Sie war grandios – in der zweiten Strophe singt sie in Patois! Ich erinnere mich, wie es im Pre-Chorus ‚Armani, Moschino‘ heißt, und als sie mir ihren Take zurückschickte, betonte sie Moschino mit einem harten ‚c‘ und jemand erklärte mir, dass dies die amerikanische Aussprache sei. Ich musste ihr dann leider sagen: ‚Sorry Demi, du klingst nicht so gut. Du musst es so aussprechen, wie wir das hier [im Vereinigten Königreich] machen.’ Dann haben wir dem Cocktail noch Stefflon Don hinzufügen dürfen. Als MNEK und ich angefangen haben, ihn zu schreiben, war der Song mehr als Witz gemeint, als MNEK und ich ihn schrieben – als wäre er eine 2017er-Version von ‚Cha Cha Slide‘. Müsste ich ihn nochmal neu machen, würde ich die Choreografie im Video ändern. Ich wollte etwas völlig Einfaches, mit dem jeder etwas anfangen kann. Im Grunde muss ich jetzt ein weiteres Lied machen, zu dem man seinen Körper bewegen kann.“


„Play“ (with Years & Years)

„Olly [Alexander; Frontmann von Years & Years] und ich haben eine Menge gemeinsamer Einflüsse. Ich erinnere mich noch, dass die erste Line, mit der er ankam, ‚How long do you play me a song?‘ war. Ich musste kurz innehalten, weil ich dachte, dass er das aus einem Song von Sophie Ellis-Bextor hatte.“


„100 Times“

„MNEKs Stimme ist hier einfach nur der Wahnsinn. Ich wollte einen Club-Track machen, und daher fragte ich ihn, ob es ok für ihn ist, wenn er ungenannt bleibt – und er war einverstanden. Als MNEK den Song dann einsang, erweckte er ihn zum Leben. Momentan arbeite ich gezielt an einer Club-Version. Oh, und das Sample direkt am Anfang ist aus ‚Eyes Wide Shut‘. Dort wird gesagt: ‚I know I can’t be here, you just have to accept that.‘ Das fasst den Vibe ziemlich gut zusammen, wie ich finde.“


„Breathe“ (feat. Ina Wroldsen)

„Mit ‚Text from Your Ex‘ für Tinie Tempah hatten wir schon gemeinsamen Erfolg. Als wir also das nächste Mal zusammensaßen, haben wir für diesen Song den Refrain geschrieben. Das Ganze hat fünf Stunden und eine Flasche Wein in Anspruch genommen. Als wir den Refrain hatten, ist sie [Ina] einfach abgehauen. Ich wusste sofort, dass der Track heiß ist, also habe ich nicht nachgegeben. Sie schickte mir dann ihre Aufnahmen aus Norwegen, aber ich musste ihr sagen, dass sie zu ernst klang. ‚Niemand möchte zu solchen Lyrics tanzen, Ina!‘ Wir gerieten so sehr aneinander, dass ich nach Norwegen fliegen musste, um den Song mit ihr fertigzustellen. Auch im Studio ist sie ziemlich ernst, was wohl an der norwegischen Geradlinigkeit liegt. Es überrascht mich überhaupt nicht, dass sie die furchteinflößende Jurorin in der norwegischen Version von ‚Pop Idol‘ war. Aber sie ist eben auch ein Genie und ich konnte so viel von ihr lernen – gerade wenn es um die phonetische Kraft von Hooks geht. Mann, die sind wirklich wichtig, wenn du versuchst, dein Zeug auf der ganzen Welt unters Volk zu bringen.“


„Cruel“

„Der Track hat sich im Nachhinein als Geheimfavorit herausgestellt. Ich dachte erst, er würde der unscheinbarste auf dem Album. Ich habe ihn mit Madison Love und Brett McLaughlin geschrieben. Zusätzlich hat mir noch Mark Ralph geholfen, der wie meine rechte Hand ist. Ursprünglich hatten wir einen ziemlich poppigen Song geschrieben, doch als die Vocals hinzukamen, klang er plötzlich sehr düster. An dem Punkt wurde es spannend für mich. Es ist so ein verrücktes kleines Lied, in dem es darum geht, dass man seinen Partner schlecht behandelt – und doch klingt er irgendwie verführerisch. Das ist unser Domina-Banger. Ein sadistischer Banger.“


„All Day and Night (Jax Jones & Martin Solveig Present Europa)“ (with Martin Solveig & Madison Beer)

„Martin Solveig ist eine Ikone. Ich konnte einfach nicht glauben, dass ich in einem Studio war, wo er mir zuhörte. Doch eigentlich arbeiten wir ziemlich identisch – um richtig interessante Sounds zu kreieren, suchen wir nach dem Obskuren. Das hier ist eine Kostprobe von unserer Band namens Europa, die gerade ins Rollen kommt. Er hat mir beigebracht, wie man in Europa auflegt, denn bevor ich ihn traf, hatte ich dort keine guten Gigs. Was er macht, ist schnelllebiger. Sie haben nicht dieselbe Geschichte von House wie wir und wollen deshalb längere Hooks und massentauglicheres Material. So lernte ich, eher auf den Punkt zu kommen. Madison war das i-Tüpfelchen, doch ich erinnere mich noch daran, dass sie via FaceTime fragte, ob sie die Tonart ändern könnte. Martin meinte dann: ‚Madison, hör mal, das kannst du nicht machen. Damit veränderst du den gesamten Song. Ich habe mit Madonna ein ganzes Album aufgenommen, auf dem sie die Tonart auf jedem einzelnen Track ändern wollte. Das habe ich nicht mitgemacht. Vertrau mir bitte einfach.‘ Und genau das tat Madison.“


„One Touch“ (with Jess Glynne)

„Dieser Song bedeutet mir sehr viel. Ich wollte Jess sogar dazu überreden, ihn auf meiner Hochzeit zu singen. Als Teenager habe ich meine Rechnungen gezahlt, indem ich in einer Kirche Gitarre zu Gospelmusik spielte. Mir war es wichtig, diese Erfahrungen in einen meiner Tracks einfließen zu lassen.“


„All 4 U“

„Das bin ich, der singt! Na ja, es sind schon mehrere Stimmen. Ich habe den Song im Hot-Chip-Style produziert, sodass die Vocals mehr ein Accessoire sind und nicht im Vordergrund stehen. Das ist wirklich etwas ganz Spezielles. Wir haben den Song für einen Freund geschrieben, dessen Vater plötzlich von uns ging. In jeder Form von Dance-Musik steckt auch ein bisschen Melancholie, die jedoch sehr aufheiternd ist. Ich denke, dass wir diese Brücke mit diesem Song geschlagen haben. Es ist seltsam – einerseits emotional und ein bisschen schnulzig, andererseits kann man dazu richtig gut abgehen. Wir standen zu viert am Mikrofon und haben einfach drauflosgesungen. Es hat diesen ‚Hey Bro, schon okay, wenn du weinen musst‘-Vibe. Hinter unserer harten Schale steckt in uns allen eben doch einen ziemlich weichen Kern.“


„This Is Real“ (with Ella Henderson)

„Zieh dir das rein: Damals in Grimsby war meine Frau noch der Ellas Babysitter. Den Song habe ich mit Ella vor Jahren geschrieben, doch irgendwie hat immer irgendwas gefehlt. Ich war noch ein No-Name und sie hatte gerade ‚Ghost‘ veröffentlicht und war bei Syco unter Vertrag, die aber nicht wollten, dass sie den Track veröffentlicht. Ich habe den Song dann gemeinsam mit der Single ‚Yeah Yeah Yeah‘ (2015) Polydor vorgestellt und wurde prompt unter Vertrag genommen. Die haben dann wiederum Selena Gomez dazu überredet, ihn einzusingen – das hörte sich abgefahren an. Wirklich ein besonderer Moment: Selena in einem House-Track, sie klang wie eine Diva. So habt ihr Selena noch nie gehört – zehn Sekunden des Songs wurden geleakt und ihre Fans sind total ausgeflippt. Dann wurde es jedoch ein wenig kompliziert: Obwohl sie den Track liebte, fiel er irgendwie unter den Tisch. Das nun mit Ella zu Ende zu bringen, ist fantastisch und verdient definitiv Aufmerksamkeit auf diesem Album. Es ist so ein gewaltiger Refrain – nichts auf dem Album klingt vergleichbar. So klingt England – und genau dafür liebe ich ihn.“


„Tequila Time (Outro)“

„Hiermit will ich mich bei den richtigen Menschen bedanken, aber euch auch etwas geben, worauf ihr abgehen könnt – quasi in Form einer Entschuldigung. Es ist schwierig, Danksagungen richtig rüberzubringen, ohne dabei zu selbstverliebt zu klingen. Ich war zwar nicht so mies wie Kanye auf seinem sicher 12-minütigen ‚Last Call‘, aber ich habe auch keine krassen Storys mit JAY-Z auf Lager …“

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