

Nachdem das Coronavirus die Welt im Jahr 2020 in einen Lockdown zwang, musste Barbra Streisand ihre Pläne für ein neues Album überdenken und schwenkte um: Statt nach neuen Stücken zu suchen, besann sie sich auf ihre eigenen alten Aufnahmen. „Ich wollte eigentlich Ideen für ein neues Studioalbum sammeln“, erzählt sie Apple Music. „Aber wie ihr wisst, muss man, wenn man eine Platte macht, Leute treffen; man muss mit Arrangeur:innen, Produzent:innen und Musiker:innen sprechen. Ich kann natürlich nicht mit einer Maske singen. Deshalb war es an der Zeit, alte Schätze hervorzuholen, die ich noch nicht veröffentlicht hatte.“
„Release Me 2“ folgt auf „Release Me“ – ihrer ersten, 2012 veröffentlichten Sammlung von bisher unveröffentlichtem Material – und umfasst zehn Tracks, die Barbra Streisand bei ihrer jüngsten Reise in die Fundgrube ihrer Musikarchive herausgesucht hat. Das Album enthält Duette mit anderen Ikonen, die im Laufe der Jahrzehnte aufgenommen wurden: von Willie Nelson auf „I’d Want It To Be You“ über Barry Gibb, mit dem sie „If Only You Were Mine“ singt, ein jazziges, verspieltes Stück für sie und ihren alten Freund und „Guilty“-Partner bis hin zum Frosch Kermit, der sie bei einer Mensch/Muppet-Interpretation von „Rainbow Connection“ unterstützt. Es sind auch einige Songs zu hören, die ihr heute viel mehr bedeuten als zu der Zeit, als sie sie einspielte – wie etwa „Be Aware“, eine Hymne für soziale Gerechtigkeit, die sie zunächst in den 70er-Jahren aufnahm. „Ich wollte der Welt helfen“, sagt sie über das Stück, das Burt Bacharach und Hal David geschrieben haben. „Ich wollte unserem Land helfen. Ich konnte nicht ertragen, was im Vietnamkrieg vor sich ging. Es kommt mir vor wie gestern.“
Ein weiterer Höhepunkt ist ihre Interpretation von Carole Kings „You Light Up My Life“ aus deren Album „Fantasy“ von 1973. Sie spiegelt die Seele und die Intention von „Release Me 2“ wider: Manchmal ist ein schöner musikalischer Moment das Warten wert – selbst wenn es bedeutet, eine alte Gesangsaufnahme fast fünf Jahrzehnte später wieder aufzugreifen und aufzufrischen. „Ich erinnere mich, dass ich es 1973 aufgenommen habe, aber es war ein lausiges Arrangement – es hatte keine Magie, also habe ich es nie veröffentlicht“, sagt sie und schwärmt von der neu überarbeiteten Instrumentierung für die „Release Me 2“-Version. „Ich weiß, dass ich gut gesungen habe, aber ich habe es trotzdem fallen lassen. Wenn ich es jetzt anhöre, fühlt es sich sogar noch besser an als damals, als ich es aufgenommen habe. Ich denke, das hatte mit meiner eigenen Psyche zu dieser Zeit zu tun. Ich glaube, ich war nicht wirklich glücklich und jetzt bin ich glücklich. Ich bin dankbar. Und ich glaube, das merkt man.“